Mädchen tief über ein Heft gebeugt und schreibend

Lernbehinderung – Wie die Schule trotzdem gemeistert wird

Niemand möchte, dass es das eigene Kind schwer hat. Da kommt die Diagnose einer Lernbehinderung oft mit einem Schock einher. ES schwirrend tausend Fragen im Kopf umher: wie das passiert ist, was es für das Kind und die Familie bedeutet, ob man es hätte verhindern können und vor allem, wie es jetzt weiter geht.

Sie stehen damit nicht alleine dar! Wir beantworten Ihnen hier die wichtigsten Fragen und geben hilfreiche Tipps, um mit der neuen Situation umzugehen.

Eine Lernbehinderung wird meistens vor einem schulischen Hintergrund betrachtet. Man versteht darunter ein andauerndes und umfassendes Schulleistungsversagen eines Kindes. Bei diesem ist die Entwicklung verschiedener Funktionen verzögert oder eingeschränkt, die stark mit dem zentralen Nervensystem und dessen Entwicklung verbunden sind. Daher werden Lernbehinderungen zu den Entwicklungsstörungen gezählt.

Lernbehinderung Ursachen – Wie entsteht eine Lernbehinderung?

Zeichnung einer schwangeren Frau
Urheber: lavnatalia; pixabay

Die Ursachen für eine Lernbehinderung sind unglaublich vielfältig. Eine große Rolle spielen dabei genetische Veranlagungen. Beispielsweise können bestimmte Stoffwechselerkrankungen oder auch ein Erbgutdefekt für die Schwierigkeiten beim Lernen verantwortlich sein. Ebenso können hormonelle Störungen oder Komplikationen während der Schwangerschaft und der Geburt die Entwicklung beeinflussen. Auch eine Minderbegabung durch einen geringen IQ ist ein häufiger Grund.

Zu guter Letzt spielt die unmittelbare Umgebung des Kindes eine wichtige Rolle. Medikamente oder psychische Erkrankungen können das Kind im Lernen hemmen. Zudem belastet häufiger Streit in der Familie ein Kind zusätzlich. Auch Vorkommnisse wie ein Zeckenbiss sind eine denkbare Ursache.

Ab wann gilt ein Kind als lernbehindert?

In den meisten Fällen wird eine Lernbehinderung anhand des Intelligenzquotienten festgemacht. Bei Kindern liegt dieser zwischen 85 und 115. Ab einem Wert unter 70 spricht man von einer geistigen Behinderung. Der Bereich dazwischen, von 70 bis 84, wird als Anhaltspunkt für eine Lernbehinderung genommen.

Dieser niedrigere IQ führt dazu, dass die schulische Leistung bis zu 3 Schuljahre hinter dem Durchschnitt liegen kann, was aber keinem mangelnden Angebot an Lernmöglichkeiten geschuldet ist. Neben dem allgemeinen Intelligenztest können aber auch weitere Test zum Umfeld und dem Verhalten des Kindes durchgeführt werden.

Auflistung zusätzlicher Methoden, um das Vorliegen einer Lernbehinderung zu testen

Lernbehinderung Symptome – Wie äußert sich eine Lernbehinderung?

So vielseitig die Ursachen einer Lernbehinderung sind, so vielseitig sind auch deren Symptome. Die meisten Anhaltspunkte findet man im schulischen Bereich. Die Kinder haben ein deutlich langsameres Arbeitstempo und sie lassen sich schneller ablenken. Dementsprechend ist auch ihr genereller Lernumfang geringer. Das Gelernte wird schneller wieder vergessen und gerade abstrakte Aufgaben bereiten den Betroffenen große Schwierigkeiten.
Neben den reinen Leistungssymptomen leiden die Kinder häufig auch emotional und motorisch unter einer Lernbehinderung. Zu diesen Symptomen zählen:

  • Eingeschränkte Sprachfähigkeit
  • Beeinträchtigte/ Vereinfachte Wahrnehmungs- bzw. Vorstellungsfähigkeit
  • Schwierigkeiten der Gefühlsregulation
  • Emotionale Instabilität
  • Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressivität oder Distanzlosigkeit

Lernbehinderung Therapie – Wie können Sie ihr Kind am besten unterstützen?

Je früher die Lernbehinderung erkannt und mit der Förderung begonnen wird, desto besser. Die frühen Lebensjahre sind besonders entscheidend für Ihr Kind, da es dort alle Grundlagen für das Leben lernt, auf die es später zurückgreifen kann. Fördert man schon in diesen Jahren gezielt die Schwachstellen, können diese ausgeglichen werden.

Kind mit Lernheft auf dem Schoß
Urheber: Sashasan; pixabay

Außerhäusliche Förderung

Bei der Förderung lernbehinderter Kinder kann zwischen zwei Bereichen unterschieden werden: der außerhäuslichen und der häuslichen Förderung. Die außerhäusliche Förderung findet in Einrichtungen außerhalb der vertrauten Wohnumgebung statt und wird von Dritten durchgeführt. Dort kann sich sehr gut auf bestimmte Schwerpunkte der Förderung konzentriert werden, wie zum Beispiel:

  • Sprachtraining
  • Konzentrationsförderung
  • Ergotherapie
  • Logopädie
  • Psychomotorik

Einrichtungen außerhäuslicher Tagesstätten umfassen beispielsweise inklusive Kindertagesstätten und Schulen oder auch Förderschulen. Dort sind weniger Kinder in den Gruppen und Klassen und die Erzieherinnen und Erzieher haben eine besondere Weiterbildung, um Ihr Kind besonders gezielt zu fördern.
Auch Therapieansätze wie Logopädie oder Ergotherapie können nützlich sein, um das Körpergefühl zu schulen, die Steuerung feinster Bewegungen zu fördern oder auch die allgemeine Einschätzung von Größen, Formen, Entfernungen oder Richtungen.

Unabhängige Ansprechpartner für Hilfe im Umgang mit lernbehinderten Kindern

Häusliche Förderung

Sehr viel wichtiger ist aber die häusliche Förderung, da das Kind hier einen Großteil seiner Zeit verbringt. Die Frühförderung wird dabei idealerweise in den Alltag miteingebunden. Wichtig ist aber, dass es für Ihr Kind keine bewusste Übungsstunde wird, sondern vielmehr spielerisch vonstattengeht. Beziehen Sie es in alltägliche Abläufe mit ein, singen und spielen Sie mit Ihrem Kind und lassen es im Haushalt helfen. Dadurch trainiert es unbemerkt Motorik, Aufmerksamkeit und Konzentration, ohne dass es sich unter Druck gesetzt fühlt, Fortschritte machen zu müssen.

Bei der häuslichen Förderung spielen Sie als Eltern die tragende Rolle: Sie übernehmen zu Hause die Rolle des Therapeuten. Auch Sie müssen darin geschult werden, mit den Stärken und Schwächen Ihres Kindes umzugehen. Dabei entstehen schnell Unsicherheiten, ob Sie Ihr Kind auch ausreichend fördern oder ob Sie alles richtig machen. Mit dieser Sorge stehen Sie keinesfalls allein da. Mittlerweile gibt es in den meisten Städten Fördereinrichtungen für Eltern, die Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Auflistung verschiedener Möglichkeit ein lernbehindertes Kind spielerisch zu fördern

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Lernbehinderungen

Was ist eine Lernbehinderung?
Unter einer Lernbehinderung versteht man ein umfassendes und andauerndes Schulleistungsversagen. Bei Betroffenen haben Schwierigkeiten verschiedenste Dinge zu lernen, zu behalten und zu verknüpfen.

Wie entsteht eine Lernbehinderung?
Lernbehinderungen entstehen aufgrund eines geringen IQ, Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt. Auch hormonelle Störungen oder die unmittelbare Umgebung können der Auslöser sein.

Welche Fördermöglichkeiten gibt es für Menschen mit Lernbehinderung?
Es gibt die klassischen Förderschulen, aber auch Grundschulen sind mittlerweile dazu verpflichtet, spezielle Fördermaßnahmen anzubieten.

Bei welchem IQ ist man lernbehindert?
Von einer Lernbehinderung spricht man bei einem IQ von 70 bis 84.

Ist eine Lernbehinderung eine geistige Behinderung?
Nein. Von einer geistigen Behinderung spricht man erst ab einem IQ von weniger als 70. Eine Lernbehinderung ist ein Zwischenstadium zwischen einer geistigen Behinderung und einer „Normalentwicklung“.

Was ist der Unterschied einer Lernschwäche zu einer Lernbehinderung?
Bei einer Lernschwäche begrenzt sich die Problematik auf einzelne Bereiche, zum Beispiel einzelne Schulfächer. Bei einer Lernbehinderung sind alle Bereiche des Lernens und Lebens betroffen.

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