Erkenne die versteckte Lehre der Parabel

Parabel (Deutsch) – So interpretierst du sie richtig

Parabel – Das hast du bestimmt schon mal im Matheunterricht gehört. Als Literaturform gehören Parabeln aber auch in den Deutschunterricht.

Weil diese Texte gar nicht so leicht zu verstehen sind, zeigen wir dir hier…

  • … was eine Parabel in Deutsch ist
  • … an welchen Merkmalen du sie erkennst
  • … wie du sie Schritt für Schritt interpretieren kannst
  • … einige bekannte Parabeln

Lass uns gleich loslegen!

Parabeln kann man zur Epik zählen, denn es handelt sich um eine epische Kurzform. Es gibt Ähnlichkeiten zu Gleichnissen und Fabeln, denn es soll eine Lehre vermittelt werden.

Das Besondere einer Parabel ist, dass der Leser diese Lehre selbst herausfinden muss.
Aus diesem Grund ist die Interpretation so wichtig. Erst durch sie kann auf die eigentliche Lehre geschlossen werden.

Parabel Definition

Das Wort “Parabel” stammt vom altgriechischen parabolē ab. Es bedeutet soviel wie Vergleich, Gleichnis oder Nebeneinanderstellung.

Merke

Eine Parabel ist ein epischer Text. Wegen dem geringen Umfang wird sie zur Kurzprosa gezählt. Sie enthält eine Lehre, die der Leser entschlüsseln muss. Das geschriebene Wort auf der Bildebene muss auf eine Sachebene in der Wirklichkeit übertragen werden.

Parabel Deutsch oder Mathe

Die besondere Form einer Parabel ist dir bestimmt aus dem Matheunterricht bekannt. Dort beschreibt sie eine Funktion zweiten Grades.

Die ganze Rechnerei interessiert uns bei literarischen Parabeln natürlich nicht. Die mathematische Form kann uns aber dabei helfen, den Aufbau dieser Textsorte zu veranschaulichen.

Wie ist eine Parabel aufgebaut?

Eine Parabel wird mittels Bildebene und Sachebene interpretiert

Wie du in der oberen Grafik schon gesehen hast, gibt es eine Bildebene, eine Sachebene und das sogenannte Tertium comparationis. Was damit gemeint ist, erklären wir dir jetzt.

Die Bildebene
Zeigt die geschriebene Geschichte, die du lesen kannst. Sie stellt die metaphorische Ebene dar.

Die Sachebene
Wird auch Gedankenebene genannt. Sie zeigt zwischen den Zeilen, was eigentlich gemeint ist und stellt damit die Deutungsebene dar.

Das Tertium comparationis
Stellt den Schnittpunkt bzw. die Verbindung zwischen Bildebene und Sachebene dar. Findet man diese Gemeinsamkeit heraus, kann man auf die Lehre der Parabel schließen.

Merkmale einer Parabel einfach erkennen

  • Epischer Text, in Prosa geschrieben
  • Kurz
  • Dem Leser soll eine Lehre vermittelt werden
  • Die Moral oder Lehre ist nicht offensichtlich am Ende erklärt wie z.B. bei einer Fabel
  • Bildebene = geschriebenes Wort, also die gelesene Geschichte
  • Sachebene = das Gemeinte, also die lehrreiche Aussage
  • Die Interpretation von Bildebene auf Sachebene muss der Leser selbst vornehmen
  • Um die Parabel zu interpretieren, muss die Schnittstelle der zwei Ebenen herausgefunden werden

Parabel Interpretation – Schritt für Schritt

Den Aufbau einer Parabel hast du bereits kennengelernt. Wenn du dich daran orientierst, kommst du in 4 Schritten zur Interpretation.

  1. Bildebene lesen und Muster erkennen
  2. Parallelen zur Wirklichkeit suchen
  3. Schnittpunkt von Bild- und Sachebene herausarbeiten
  4. Lehre erkennen

Parabeln zu interpretieren ist nicht immer einfach. Lass dich nicht entmutigen!

Halte dich an das, was du über den Aufbau und die Merkmale gelernt hast. Versuche Muster in der Geschichte zu erkennen und diese auf die Realität zu übertragen.

Beispiel Ringparabel

Gotthold Ephraim Lessing, durch ihn wird die Ringparabel zum Schlüsseltext der Aufklärung

Die Ringparabel wurde durch Gotthold Ephraim LessingsNathan der Weise” bekannt.

Mit dem beschriebenen Toleranzgedanken wird die Ringparabel zu einem Schlüsseltext der Aufklärung. Ihr Inhalt ist aber auch schon in früherer Literatur zu finden.

Worum es geht

  • Der Ring ist ein Familienerbstück, das über Generationen an den liebsten Sohn vermacht wurde.
  • Die Eigenschaft des Rings ist es, seinen Träger bei Gott und den Menschen beliebt zu machen, wenn der Besitzer daran glaubt.
  • Der Mann mit dem Ring hat drei Söhne und will keinen bevorzugen. Deshalb lässt er Kopien der Ringe anfertigen.
  • Er vererbt jedem Sohn einen Ring und versichert, es sei der echte.
  • Nach dem Tod des Vaters wollen die Söhne vor Gericht klären, welcher Ring der wahre ist.
  • Der Richter kann dies nicht bestimmen und erinnert die Söhne an die Eigenschaft des echten Rings.
  • Wenn der Effekt bei keinem der Söhne eingetreten ist, sei der Ring wohl verloren gegangen.
  • Der Richter rät den Söhnen, an die Echtheit ihres jeweiligen Rings zu glauben, denn der Vater hatte alle gleich gern und wollte keinen kränken.
  • Wenn einer der Ringe der echte ist, wird sich seine Wirkung irgendwann zeigen.
  • Jeder Sohn sollte sich deshalb darum bemühen, dass die Wirkung eintritt.
Religiöser Toleranzgedanke als Lehre der Ringparabel

Interpretation

  • Vater hat drei Söhne, die er gleich liebt
  • Die Söhne erhalten vom Vater gleichartige Ringe
  • Die Söhne streiten sich, um die Echtheit dieser Ringe
  • Vater = liebender Gott
  • Ringe = drei monotheistische Religionen (Judentum, Christentum, Islam)
  • Söhne = Anhänger der Religionen
  • Söhne vor Gericht ↔ Streit der Religionen
  • Gott (Vater) liebt alle Menschen (Söhne) gleich, egal, welche Religion (Ring) sie haben.
  • Alle drei Religionen sind das Werk Gottes und alle Menschen seine Kinder.
  • Keine Religion ist die einzig Wahre, denn sie gleichen sich in ihren Grundzügen.

Bekannte Parabeln in der Literatur

Parabeln können sowohl alleinstehende Texte sein, als auch innerhalb eines größeren dramatischen oder epischen Werkes auftauchen. Manchmal sind auch ganze Werke einer anderen literarischen Gattung parabolisch.

Bekannte Beispiele neben der Ringparabel:

  • Die Parabel vom Magen und den Gliedern (Menenius Agrippa, 494 v. Chr.)
  • Vor dem Gesetz (Franz Kafka, 1915)
  • Der gute Mensch von Sezuan (Bertolt Brecht, 1943) = parabolisches Drama
  • Das Eisenbahngleichnis (Erich Kästner, 1931) = parabolisches Gedicht
  • Die Stachelschweine (Arthur Schopenhauer, 1851)

Das FAQ

Was ist eine Parabel in Deutsch?

Die Parabel gehört zu den epischen Kurzformen. Es ist ein kurzer lehrreicher Text, den der Leser selbst entschlüsseln muss. Die Bildebene der Parabel muss vom Leser auf eine Sachebene übertragen werden.

Wie erkennt man eine Parabel?

In einer Parabel werden zwei Gedanken gegenübergestellt. Man erkennt die kurze Erzählung an dem offenen Ende, von dem aus der Leser selbst auf die Aussage der Parabel schließen muss.

Das heißt, die Lehre ist versteckt und muss durch Interpretation auf die Wirklichkeit übertragen werden.

Was sind die Merkmale einer Parabel?

  • Epische Kurzform
  • Lehrdichtung mit erzieherischem Charakter
  • Keine explizite Moral am Ende
  • Bildebene und Sachebene
  • Leser muss sich die Aussage selbst erschließen

Was ist der Unterschied zwischen einer Parabel und einer Kurzgeschichte?

In einer Parabel ist der genaue Wortlaut nicht das was wirklich gemeint ist. Deshalb besteht eine Parabel immer aus einer expliziten Bildebene und einer verborgenen Sachebene.

Bei einer Kurzgeschichte ist der gemeinte Sinn nicht versteckt, sondern erschließt sich im Laufe der Geschichte.

Die Kurzgeschichte ist an die Situation, den Augenblick bzw. das Ereignis gebunden, welches erzählt wird. Das fiktive, erzählte Ereignis der Parabel wird durch Abstraktion auf eine andere Situation in der Wirklichkeit übertragen.

Gerade in der modernen, zeitgenössischen Literatur sind die Übergänge oft fließend.

Ist eine Parabel eine Kurzprosa?

Ja, als kurzer Prosatext fällt die Parabel unter den Begriff Kurzprosa.

Konnte dir unser Artikel weiterhelfen?

Wir hoffen, du hast alles verstanden und weißt jetzt wie du eine Parabel erkennst und interpretieren kannst.

Vielleicht interessierst du dich auch für die Dramenanalyse oder die Gedichtanalyse.

Falls du noch offene Fragen hast, schreibe sie in die Kommentare, wie helfen dir gerne weiter!

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