Franz Kafka verstehen und interpretieren – so klappt es!

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Franz Kafka steht in der Schule an und du hast nicht die leiseste Ahnung, was dich erwartet? Keine Angst!

Wir erklären kurz zusammengefasst, wer Franz Kafka eigentlich ist, wie er gelebt hat, was er geschrieben hat und was du über ihn wissen musst, um perfekt auf den Stoff vorbereitet zu sein.

Geboren wurde Kafka 1883 in Prag. Dort hat er auch den größten Teil seines Lebens verbracht. Kafka hat lange bei seinen Eltern gelebt. Zu seinem Vater hatte er ein sehr schwieriges Verhältnis. (siehe → Briefe an den Vater)

Er hatte wenig Glück mit Frauen und blieb sein Leben lang unverheiratet, hatte aber hin und wieder Freundinnen oder Verlobte, denen er viele Briefe schrieb.

“Die Liebe ist so unproblematisch wie ein Fahrzeug. Problematisch sind nur die Lenker, die Fahrgäste und die Straße.”

– Franz Kafka

Was war sein Beruf?

Kafka hat Jura studiert und dann als promovierter Jurist bei einer Versicherung gearbeitet. Ein Job, der ihm nicht unbedingt Spaß gemacht hat. Seine wahre Leidenschaft war das Schreiben.
Auch das Studium war eher eine Qual für ihn – er litt unter schrecklicher Prüfungsangst.

Wann hat er geschrieben?

 

Kafka lebte in einem Durchgangszimmer, das seine Eltern durchqueren mussten, wenn sie in ihr Schlafzimmer wollten. Da er tagsüber arbeitete, schrieb Kafka nachts, wenn seine Eltern schon schliefen.

Er hegte große Zweifel an seinem Können und vernichtete Teile seines Werkes.

Wie ist Franz Kafka gestorben?

Sein Leben lang war Kafka ein kränklicher Mensch. Außerdem litt er zeitweise an schweren Depressionen.

Zur Erholung ging er oft in Kur und erkrankte schließlich an Tuberkulose, einer ansteckenden Lungenkrankheit. Daran ist er 1924, mit nur 40 Jahren, gestorben.

„Manchmal scheint es mir, Gehirn und Lunge hätten sich ohne mein Wissen verständigt. ‘So geht es nicht weiter’ hat das Gehirn gesagt und nach fünf Jahren hat sich die Lunge bereit erklärt, zu helfen.“ – Franz Kafka über seine Erkrankung

Max Brod

Kafka wollte gar nicht, dass man seine Bücher liest! Er wies seinen guten Freund Max Brod an, alle seine Werke nach seinem Tod zu vernichten.

Max Brod hat aber genau das Gegenteil getan: Er hat für die Veröffentlichung von Kafkas Werken gesorgt und damit auch dafür, dass wir sie heute lesen können. Er war es auch, der die unvollendeten Werke so editierte und zusammensetzte, dass man sie überhaupt veröffentlichen konnte.

Fun Fact!

Kafka hat bei seiner Abitur-Prüfung in Griechisch betrogen! Durch einen Trick hat sich die Klasse gemeinschaftlich die Lösungen besorgt. Schlechtere Schüler haben absichtlich Fehler eingebaut und der Schwindel fiel deshalb nicht auf.

Franz Kafka: Bücher und andere Werke

Kafkas Werk umfasst drei Bücher und etliche Erzählungen. Oft ist die Handlung sehr geheimnisvoll und schwer zu verstehen. Um später beim Interpretieren keine Probleme zu haben, findest du hier die wichtigsten Fakten zu Der Prozess, Die Verwandlung und einige allgemeine Tipps, die dir den Einstieg erleichtern und dir zeigen, worauf du beim Lesen achten musst.

Franz Kafka: Der Prozess – plötzlich angeklagt

Eines der wichtigsten Werke Kafkas ist Der Prozess. Es zählt heute zur Weltliteratur, ist nicht vollendet worden und erschien erst nach dem Tod Kafkas.

In Der Prozess geht es um den Prokuristen (Anwalt) Josef K. Ihm wird eines Morgens von fremden Männern, die in sein Zimmer eingedrungen sind, eröffnet, er sei verhaftet. Weiteres wird ihm nicht erklärt. Im Laufe des Buches versucht Josef K. zu verstehen, was diese Verhaftung für ihn bedeutet und wie er das schlimmste für sich abwenden kann.

Wichtig bei Der Prozess ist:
– wir wissen nicht, ob Josef K. tatsächlich schuldig ist oder nicht
– Josef K. scheint undurchdringlichen Mächten und Strukturen ausgeliefert, er hat nie die Kontrolle über seine Situation
– die Szenen sind sehr realistisch und nüchtern geschildert, gleichzeitig ist die Atmosphäre aber seltsam albtraumhaft ( siehe: kafkaesk)
Achtung Spoiler: Am Ende wird Josef K. hingerichtet. Er wehrt sich nicht dagegen, sondern ergibt sich in sein Schicksal

Franz Kafka: Die Verwandlung – was passiert mit Gregor Samsa?

Die Verwandlung ist eine Erzählung von Kafka. Sie wurde zu seinen Lebzeiten veröffentlicht und ist abgeschlossen. Ihr erster Satz ist einer der berühmtesten der Literaturgeschichte. Warum?

Weil der Protagonist, Gregor Samsa, sich plötzlich in ein Ungeziefer verwandelt in seinem Bett vorfindet.

“Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.”

Wichtig bei Die Verwandlung ist:
– das Wort “Ungeziefer” hat hier doppelte Bedeutung. Es beschreibt einen Käfer, aber auch einen nutzlosen Menschen. Ungeziefer kann also auch ein Schimpfwort sein.
– vor seiner „Verwandlung“ hat Gregor Samsa viel gearbeitet und finanziell für seine Familie (Mutter, Vater, Schwester) gesorgt
– nach seiner „Verwandlung“ wird er von seiner Familie zunehmend schlecht behandelt und ausgeschlossen, sie nehmen ihm übel, dass er nicht mehr für sie sorgen kann
– Gregor Samsa ist hilflos seinem Schicksal ausgeliefert
Achtung Spoiler: Gregor Samsa stirbt am Ende der Erzählung, seine Familie nimmt dies mit Erleichterung auf

Hier wird die Handlung des Buches nochmal anhand von Playmobilfiguren erklärt:

Die Verwandlung to go (Kafka in 11 Minuten)

Franz Kafka: Wichtige Motive und weitere Werke

Kafka hat noch zwei weitere Romane geschrieben. Amerika/ Der Verschollene und Das Schloss. Beide sind unvollständig und wurden von Max Brod nach Kafkas Tod veröffentlicht. Neben seinen drei Romanen, hat er etliche Erzählungen geschrieben. Besonders bekannt sind unter anderem Das Urteil, In der Strafkolonie, Ein Hungerkünstler und Vor dem Gesetz.

Ein weiteres wichtiges Werk Kafkas ist Brief an den Vater. Das ist auch tatsächlich ein Brief an seinen Vater, in dem er ihm endlich seine Meinung sagt und ihr Verhältnis genaustens analysiert. Allerdings hat Kafka den Brief nie abgeschickt und sein Vater hat ihn daher auch nie gelesen.

Außerdem hat Kafka ausführlich Tagebuch geschrieben und sehr viele Briefe an Freunde und Bekannte verfasst.

Typisch für Kafkas Werk ist:
– seine nüchterne Erzählweise
– die seltsamen, undurchdringlichen Orte
– Protagonisten, die der Situation ausgeliefert sind
– die kafkaeske Stimmung

Hier findest du mehr zu Kafkas literarischem Umfeld und zu seiner literarischen Epoche.

Franz Kafka: Lesen und interpretieren – so fängst du an

Die Interpretation ist natürlich bei jedem Werk anders. Allerdings gibt es doch ein paar allgemeine Dinge, die man beachten kann. Besonders beliebt ist der biographische Ansatz. Hier ein paar Beispiele:

  • meistens arbeiten Kafkas Protagonisten in ähnlichen Jobs wie er selbst (Prokuristen, Juristen, Beamte etc.) – es sind trockene, bürokratische Berufe, die sie nicht erfüllen
  • ähnlich Kafkas Durchgangszimmer, befinden sich seine Protagonisten häufig an düsteren Orten
  • Kafkas Protagonisten werden oft in ihren Zimmern überrascht, jeder scheint eintreten zu dürfen, auch das kann ein Wink zum Durchgangszimmer sein
  • wie Kafka, haben einige seiner Protagonisten schwierige Verhältnisse zu ihren Vätern

Grundsätzlich ist der biographische Ansatz ein guter Anfang. Die weitere Interpretation sollte dann aber, je nach Werk, darüber hinausgehen. Zum Beispiel kannst du:

  • typische Elemente, wie die oben genannten, in den Werken suchen
  • eine Figurenkonstellation erstellen, um den Überblick zu behalten
  • über den Text hinausblicken: Was könnte diese Szene konkret bedeuten? Warum ist sie wichtig? Was könnte sie über die Realität aussagen?

Was bedeutet eigentlich “kafkaesk”?

Kafkas Werk ist so einflussreich, dass es ein eigenes Wort geprägt hat. “Kafkaesk” beschreibt genau die Stimmung, die in seinen Werken entsteht und wird mittlerweile auch in unserer Alltagssprache verwendet.

Wenn etwas seltsam, absurd, ausweglos und undurchdringlich erscheint, ist es “kafkaesk”.

Hier wird das nochmal in einem Video, anhand anschaulicher Illustrationen, erklärt:

What makes something “Kafkaesque”? – Noah Tavlin

Warum ist Franz Kafka so berühmt?

Kafka ist seit fast hundert Jahren tot, trotzdem wird er immer noch auf der ganzen Welt gelesen. Warum?
Kafka mag in seinen Werken sehr persönliche Situationen beschreiben, das macht er aber so gut, dass viele Leute davon fasziniert sind und sich darin wiedererkennen.

Die wirklich spannende Frage ist also nicht: Was sagt Kafka über sich selbst? Sonder: Was sagt Kafka über mich? Frage dich beim Lesen: Kann ich mich damit identifizieren? Lässt sich diese Situation auf eine persönliche Situation übertragen? Und vielleicht wird die Lektüre dadurch spannender und intensiver.

Zusammenfassung – die Basics nochmal in Stichpunkten:

  • habe Kafkas Biografie im Hinterkopf (Durchgangszimmer, Selbstzweifel, Unzufriedenheit mit dem Job, Verhältnis zu seinem Vater)
  • denke an die typischen Elemente (kafkaeske Stimmung, undurchdringliche Räume, nüchterne Erzählweise)
  • suche nach einem persönlichen Zugang zu den Texten (kann ich diese Situation auf mich übertragen?)

Und besonders wichtig: Keine Angst. Es gibt sehr viele Interpretationsmöglichkeiten zu Kafka. Wichtig ist, dass du deine Interpretation gut anhand des Textes begründen kannst. Und mit dem hier gefundenen Hintergrundwissen wird das kein Problem.

Noch mehr Tipps für das Deutsch-Abitur findest du hier.

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