Kapitalismus – Definition und verschiedene Theorien einfach erklärt

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Das Wort “Kapitalismus” ist dir vielleicht schon häufiger untergekommen. Aber was genau ist das eigentlich? Ist “kapitalistisch” einfach nur das Gegenteil von “kommunistisch”? Was bedeutet “Kapitalismuskritik”? Hier findest du alles wichtige über den Kapitalismus. Also:

Definition des Kapitalismus’

Der Begriff Kapitalismus beschreibt zunächst einmal eine Art, wie eine Wirtschaft funktioniert. Eine kapitalistische Wirtschaft zeichnet sich hauptsächlich durch drei Dinge aus:

  1. Die Produktionsmittel befinden sich in Privatbesitz
  2. Alle Produzenten streben die Gewinnmaximierung an
  3. Die Wirtschaft wird über den Markt gesteuert

Und was genau bedeutet das jetzt?

Zuerst Einmal muss man verstehen, was Produktionsmittel sind. Um etwas produzieren zu können, braucht man Produktionsmittel: Eine Fabrik, das Gelände, auf dem die Fabrik steht oder eine genaue Maschine in dieser Fabrik. Das alles sind Produktionsmittel. Manchmal redet man auch von Kapital.

Als das Wort “Kapitalismus” erstmals beschrieben wurde, gab es in Deutschland (und im Rest von Europa) noch viel mehr Fabriken als heute.  Deshalb benutzen wir die sooft als Beispiel. 

Wenn diese Produktionsmittel sich in Privatbesitz befinden, hieß das damals, dass sie reichen Fabrikanten gehörten. Den armen Arbeitern, die tatsächlich an den Maschinen standen, gehörte gar nichts in den Fabriken.

Gewinnmaximierung ist ziemlich einfach erklärt: Ein Unternehmen hat Umsatz (also das Geld, dass es insgesamt verdient) und Kosten (Geld, dass es zahlen muss, zum Beispiel Löhne, Miete für ein Gebäude, Stromkosten usw.). Wenn alles gut läuft, ist der Umsatz größer als die Kosten. Der Gewinn des Unternehmens ist der Teil vom Umsatz, der noch übrig bleibt, wenn man die Kosten abzieht.

Gewinnmaximierung heißt, dass man versucht, dieses Gewinn möglichst groß zu machen. Das kann man tun, indem man entweder die Kosten senkt (indem man, z. B. Löhne kürzt), oder dem Umsatz erhöht, indem man zum Beispiel mehr verkauft.

Und was bedeutet, dass der Markt die Wirtschaft regelt? In erster Linie heißt dass, das jemand anders die Wirtschaft nicht steuert, nämlich der Staat. Worum es hier genau geht, ist die Preisbildung:

Wenn man die Preisbildung allein dem Mark überlässt, ergeben sich Preise einer Sache allein aus dem Angebot (also wie viel von einer Sache da ist) und der Nachfrage (wie viele Leute die Sache kaufen wollen).

Wenn viele etwas haben wollen, sind immer auch Leute dabei, die mehr für diese Sache zahlen würden. Die Preise, zu denen die Anbieter verkaufen können, steigen also. Wollen hingegen weniger Leute eine Sache haben, senken die Anbieter die Preise, um mehr Leute zum Kauf zu bringen.

Gibt es hingegen viel von einer Sache, gibt es unter den Anbietern immer jemanden, der es billiger zum Verkauf anbietet. So sinken also die Preise. Gibt es aber wenig von einer Sache, können sich die Anbieter es leisten, die Sache teurer Anzubieten. Dann steigen die Preise.

Aus diesen zwei Wirkungen pendelt sich ein Preis ein. Man nennt das Marktgleichgewicht beziehungsweise den Gleichgewichtspreis. Manchmal ist auch von der unsichtbaren Hand des Marktes die Rede.

Wenn jetzt der Staat in den Mark eingreift (zum Beispiel mit einem Gesetz), dann ist das nicht-kapitalistisch. Im Kapitalismus ist die Rolle des Staates nur darauf zu achten, dass die Gesetze eingehalten werden. Man nennt diesen Staat dann auch Nachtwächterstaat.

Geschichte und Phasen des Kapitalismus’

“Kapital” kommt vom lateinischen “capitalis”, wörtlich “den Kopf betreffend”. Die Italiener benutzten eine Abwandlung “capitale” für die Größe (Kopfzahl) von Kuhherden. So kam das Wort nach und nach in den Wirtschaftsbereich. Verschiedene Varianten von “Kapitalismus” (“kapitalistisch”, “Kapitalisten” usw.) tauchten etwa zum Ende des 18. oder Anfang des 19. Jahrhunderts auf.

Der Kapitalismus wird generell als eine Folge der Industrialisierung gesehen. Damals wurden viele Maschinen erfunden, die das Herstellen von Gegenständen viel einfacher und schneller machten (z. B. der mechanische Webstuhl, die sog. “spinning Jenny” in Großbritannien). Dadurch verloren viele Handwerker ihre Arbeit und begannen, zuerst in Manufakturen, dann in Fabriken zu arbeiten.

Viele weitere Menschen zogen vom Land in die Stadt, um in diesen neuen Fabriken zu arbeiten, die immer neue Mitarbeiter suchte. So formte sich nach und nach eine neue Schicht, die Arbeiterklasse. Aber trotz der ganzen neuen Fabriken konnte nicht jeder von ihnen Arbeit finden.

Die meisten dieser Leute vom Land hatten früher auf Bauernhöfen gearbeitet. Neue Erfindungen in der Landwirtschaft aber hatten zur Folge, dass sie ihre Arbeit verloren.

Die Fabrikanten, denen die Fabriken gehörten, wurden hingegen immer reicher und bildeten eine neue Gesellschaftsschicht von nicht-adligen Reichen, das Großbürgertum.

Die Arbeit war anstrengend und lang. Eine typische Arbeitszeit war ganze 16 Stunden am Tag. Die Arbeit in den Fabriken war auch ziemlich gefährlich, da es kaum Sicherheitsmaßnahmen gab. Viele Leute verloren Finger oder auch ganze Arme oder Beine und konnten nicht mehr weiterarbeiten.
Wenn jemand sich verletzte oder sich beschwerte, wurde er einfach entlassen und jemand neues wurde eingestellt.

Manchmal teilt man den Kapitalismus noch in drei Phasen ein: Früh-. Hoch und Spätkapitalismus.

Frühkapitalismus

Der Frühkapitalismus dauerte etwa vom späten 16. bis zum frühen 18. Jahrhundert. In ihm gab es noch keine wirklichen Fabriken, sondern noch kleine Handwerkstätten. Der Markt für solche Güter wurde von Zünften und Gilden kontrolliert.

Das klingt jetzt natürlich nicht sehr nach dem Kapitalismus, den wir vorhin definiert haben. Der Frühkapitalismus war eher eine Übergangsphase zwischen dem mittelalterlichen Feudalismus und dem richtigen Kapitalismus.

Wichtig in dieser Zeit sind dennoch das Aufkommen des Bankwesens und die Entdeckung neuer Handelsrouten oder sogar neuer Landmassen. Auch der Fernhandel wurde immer wichtiger, wodurch große Handelshäfen immer wichtiger wurden. Wegen der Wichtigkeit von Handel und Händlern nennt man diese Phase manchmal auch Merkantilismus (von “mercator”, lat.: der Händler).

Dieser Fernhandel wurde von Handelsgesellschaften betrieben, die von ihren Regierungen Monopole auf diesen Handel bekamen. Das bedeutet, dass sie die Preise für diese Güter aus dem Fernhandel ziemlich teuer ansetzen konnten. Das bekannteste Beispiel für eine solche Handelsgesellschaft ist die britische Ostindien-Gesellschaft.

Hochkapitalismus

Der Hochkapitalismus begann mit der Industrialisierung in Großbritannien Mitte des 18. Jahrhunderts und dauerte etwa bis 1870. Der Hochkapitalismus war ziemlich genau die Reinform des Kapitalismus, wie wir ihn oben beschrieben haben: Arme Arbeiter schufteten sich ab, reiche Fabrikanten steckten sich den Gewinn in die Tasche und der Staat hielt sich raus.

Gerade in Großbritannien war diese Form des Kapitalismus sehr stark, da die Briten als erste mit der Industrialisierung begonnen hatten. Nach der größten Industriestadt in England, Manchester, nennt man den Hochkapitalismus manchmal auch Manchesterkapitalismus.

Mit der Erfindung der Dampfmaschine und später der Eisenbahn wurde Kohle schnell ein wichtiger Rohstoff für die Industrialisierung. Den Briten halfen die großen Kohlevorkommen auf ihrer Insel sehr bei der Industrialisierung. Auch im deutschen Ruhrgebiet, wo es viele Kohlevorkommen gab, siedelte sich schnell Industrie an.

Spätkapitalismus

Der Spätkapitalismus ist ziemlich umstritten, denn wenn es ihn gibt, dann leben wir gerade darin und tun das etwa seit dem 1. Weltkrieg. Jetzt ist natürlich zwischen jetzt und dem 1. Weltkrieg so einiges passiert, unter anderem die Einführung der sozialen Marktwirtschaft, doch dazu später mehr. Viele Wissenschaftler halten diesen Begriff für veraltet.

Denker über den Kapitalismus

Adam Smith

Der Schotte Adam Smith (1723 – 1790) wusste nicht, was Kapitalismus ist. Das konnte er auch gar nicht, denn den Begriff “Kapitalismus” benutzte zu seiner Zeit noch niemand. Aber vieles von dem, was später “Kapitalismus” genannt werden sollte, geht auf seine Theorien zurück.

Adam Smith schrieb Der Wohlstand der Nationen und beschrieb darin eine wissenschaftliche Theorie der modernen Wirtschaft. Er schrieb als erster über Arbeit, verschiedene Märkte und die Rolle des Staates.

Auf Smith geht die Ideen vom freien Markt zurück, in den sich der Staat nicht einmischen soll. Er kritisierte aber auch nicht-staatliche Markteinschränkungen, wie zum Beispiel Monopole (Alleinanbieter) oder Kartelle (Absprachen unter den Anbietern). Nach Smith sollen nur Angebot und Nachfrage den Preis einer Sache bestimmen.

Er beschreibt auch die Ideen der Arbeitsteilung, also dass mehr produziert werden kann, wenn jeder nur eine Sache macht, wie dann später in Manufakturen und Fabriken auch getan wurde.

Er benutzt auch zum ersten Mal die Metapher von der “unsichtbaren Hand”, wenn auch anders. Nach Smith hilft jeder, der das Beste für sich will, damit auch immer der größeren Gesellschaft, wie “von einer unsichtbaren Hand geleitet.”

Allerdings warnt er auch vor den Gefahren dieser Ideen, zum Beispiel vor einer Verdummung der Arbeiter durch die immer gleichen Handgriffe bei der Herstellung von Dingen in einer Manufaktur.

Das Adam-Smith-Denkmal vor der St. Giles-Cathedral in Edinburgh

James Watt, der Erfinder der Dampfmaschine. war ein guter Freund von Adam Smith. Die Dampfmaschine war die Grundlage der Industrialisierung und damit der Verbreitung des Kapitalismus’.

Karl Marx

Ein Denkmal von Marx in seiner Geburtsstadt Chemnitz (in der DDR “Karl-Marx-Stadt”)

Die Theorien von Karl Marx (1818 – 1883) sind sehr umfangreich und ausführlich. Kurz gesagt ist ein erklärter Gegner des Kapitalismus’.

Nach Marx gab es, durch die Geschichte hindurch, immer Unterdrücker und Unterdrückte. In der Antike waren das Herrscher und Sklaven, im Mittelalter Fürsten und Leibeigene, und zu seiner Zeit die Besitzer der Produktionsmittel (er nannte sie die “Bourgeoisie”, man könnte auch “Kapitalisten” sagen) und die armen Fabrikarbeiter (Marx nannte sie das “Proletariat”).

Marx sah das Problem vor Allem im ersten Merkmal des Kapitalismus, dem Privatbesitz von Produktionsmitteln. Dadurch kann eine Klasse von reichen Fabrikbesitzern arme Arbeiter unterdrücken. Marx zufolge müssen die Arbeiter die Produktionsmittel in ihren Besitz bringen, auch mit Gewalt, um ihre Unterdrückung zu beenden.

Marx nennt diesen Zustand “Sozialismus”, dieser soll dann, ganz von selbst, in den staaten- und klassenlosen “Kommunismus” übergehen, in dem alle gleich sind. Historisch hat das nicht ganz so gut funktioniert…

Max Weber

Woher genau kommt der Kapitalismus? Max Weber (1864 – 1920) sah zumindest einen Zusammenhang mit protestantischen Religionen, gerade im Kalvinismus. Diese Zusammenhänge erforscht er ausführlich in seinem Hauptwerk Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus.

Weber war auch politisch aktiv. Unter Anderem verhandelte er mit das Ende des 1. Weltkrieges und war einer der Autoren der Weimarer Reichsverfassung.

Leben wir noch im Kapitalismus?

Viele würden hier ja sagen, aber das stimmt nicht wirklich. Wenn heutzutage vom “Kapitalismus” die Rede ist, dann ist das keinesfalls der gleiche Kapitalismus, auf dem Marx in seinen Schriften so rumhackt. Heute leben wir eher in einer Marktwirtschaft.

Marktwirtschaft bedeutet, dass der Staat zwar die Rahmenbedingungen für den Markt vorgibt, sich sonst aber nicht in den Markt einmischt. In Deutschland gibt es die Sonderform der sozialen Marktwirtschaft.

Gehen wir doch die drei Eigenschaften des Kapitalismus noch einmal durch und überlegen, inwiefern sie in Deutschland stimmen:

Die Produktionsmittel befinden sich in Privatbesitz

Das stimmt immer noch meistens, es gibt auch ein paar Ausnahmen. So hält das Land Niedersachsen beispielsweise Anteile an VW. Es gibt aber auch ganze Firmen im Staatsbesitz wie die Deutsche Bahn.

Alle Produzenten streben Gewinnmaximierung an

Am ehesten stimmt das noch. Natürlich möchte jede Firma möglichst viel Geld verdienen, aber vielen ist es auch wichtig, dass es ihren Mitarbeitern gut geht. So gnadenlos ausgebeutet wie im Hochkapitalismus wird heute in Deutschland niemand mehr.

Die Wirtschaft wird über den Markt gesteuert

Spätestens hier muss man sagen: Nein. In Deutschland greift der Staat auf jeden Fall in die Wirtschaft ein, beispielsweise mit Subventionen oder dem Kartellamt. Hauptsächlich regeln sich die Preise schon noch über Angebot und Nachfrage, aber der Staat ist bei weitem kein Nachtwächterstaat.

Insgesamt leben wir also nicht im Kapitalismus. Wenn also jemand den “Kapitalismus” in Deutschland kritisiert, meint er eigentlich die Marktwirtschaft.

Die wichtigsten Fragen – schnell beantwortet:

Was ist Kapitalismus?

Kapitalismus ist eine Wirtschaftsform. Eine kapitalistische Wirtschaft bedeutet, dass die Produktionsmittel in Privatbesitz sind, dass alle die Gewinnmaximierung anstreben und dass die Preise über den Markt geregelt werden.

Haben wir in Deutschland Kapitalismus?

Nein, dafür mischt sich der deutsche Staat zu sehr in die Wirtschaft ein. In Deutschland haben wir stattdessen eine soziale Marktwirtschaft. 

Wann ist jemand Kapitalist?

Ein Kapitalist ist jemand, dem Kapital (also Produktionsmittel) gehört und dieses Kapital einsetzt, um damit Geld zu verdienen.

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