Der König musste über die Alpen zur Burg Canossa wandern, um den Papst um die Wiederaufnahme in die Kirche zu bitten.

Gang nach Canossa – einfach erklärt

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Der Gang nach Canossa markiert einen wichtigen Punkt der deutschen Geschichte. Lerne hier Schritt für Schritt alles rund ums Thema “Gang nach Canossa”.

  • Was ist der historische Kontext?
  • Welcher deutsche Kaiser ging nach Canossa?
  • Wer hat gewonnen?
  • Warum wurde Heinrich IV exkommuniziert?
  • Wie lautet das Gang nach Canossa Sprichwort?

Also legen wir los!

Du hast jetzt noch Fragen, dann lies gerne weiter!

Ein Gehirn wird von Fragezeichen umhüllt

Gang nach Canossa einfach erklärt

Zuerst einmal ein Überblick, was überhaupt als Gang nach Canossa verstanden wird.

Während des Jahreswechsels 1076/77 machte sich Heinrich IV. auf den Weg nach Italien. Kurz vorher wurde der 26 jährige König des römisch-deutschen Reiches vom Papst aus der Kirche verbannt.

Der König saß 3 Tage vor der Burg Canossa, in welcher der Papst sich aufhielt. Papst Gregor VII. nahm Heinrich anschließend wieder in die Kirche auf, nachdem Heinrich Reue zeigte.

Der Gang nach Canossa war der Höhepunkt des Investiturstreits.

Wer war im Mittelalter mächtiger der Kaiser oder der Papst?

Die Macht war im Mittelalter in weltliche und geistliche Macht geteilt. Somit hatte sowohl der Papst als auch der Kaiser einen bedeutenden Stellenwert.

Könige sind rangniedriger als der Kaiser.

Das Amt des Königs war verbbar. Ein König regierte nur über sein Königreich.

Der Kaiser musste vom Papst ernannt werden. Der Kaiser regierte über das gesamte heilige römisch-deutsche Reich.

Vor dem 11. Jahrhundert war der König mächtiger als die Kirche. Der Investiturstreit hinterfragte dieses Konstrukt.

Besonders zwischen Heinrich IV. und Gregor VII. führe diese Zweispaltung der Macht zu Konflikten, da beide das letzte Wort haben wollten.

Heinrich IV.

Heinrich IV. war ein Sailer. Ab 1056 war er König des römisch-deustchen Reiches. Im Jahre 1084 wurde der Kaiser.

Am 31.12.1105 musste er seinen Posten abdanken und an seinen Sohn übergeben.
Heinrich V. führte eine Rebellion gegen seinen Vater und zwang ihn zum Abdanken. Heinrich IV. starb 1106.

Nice to Know:

  • Er kam als Minderjähriger auf den Thron
  • Bis Heinrich volljährig war, regierte seine Mutter Agnes für ihn
  • Er wollte seine Ehe mit Bertha von Turin scheiden lassen –> Die Kirche hat es ihm nicht erlaubt
  • Die Fürsten waren nicht begeistert von seiner Reichsführung
  • Er prägte maßgeblich den Investiturstreit 1076
  • Seine Zeitgenossen beurteilen ihn sehr unterschiedlich
Bild von Heinrich IV und seiner Mutter

Papst Gregor VII.

Gregor VII. gilt als einer der wichtigsten Päpste. Er war von 1073 bis 1085 im Amt.

Genau wie Heinrich war auch er schon zu Lebzeiten eine sehr umstrittene Person.

Bekannt wurde er vor allem durch die gregorianische Reform im 11. Jahrhundert.
Er starb 1085 im Exil.

Nice to Know:

  • Sein richtiger Name ist Hildebrand
  • Das Volk wollte ihn 1073 als Papst
  • Sein Amtsantritt verstieß gegen die Papstwahldekrete von 1059
  • Er wurde von einem befreundeten Kardinal als “heiliger Satan” bezeichnet
  • Gregor führte das Zölibat ein
  • Gregor verbietet die Simonie (Verkauf geistlicher Ämter)
Bild von Papst Gregor

Gang nach Canossa Bedeutung

Der Gang nach Canossa ist eines der bedeutendsten Geschehnisse der deutschen Geschichte.

Historischer Kontext

Der Gang nach Canossa ist der Höhepunkt des Investiturstreits.
Bis zum 11. Jahrhundert ist die Machtverteilung geordnet. Der König darf Bischöfe investieren (einsetzen). Der König stand über der Kirche.

Im Investiturstreit ging es um die Frage, wer das Recht hatte, Kardinäle und Bischöfe ins Amt einzusetzen.
Der König war im Sinne der Kirche ein Laie (eine nicht geistliche Person).
Die Frage war nun, warum ein Laie über kirchliche Angelegenheiten verfügen durfte.

Der Streit entstand, weil Gregor den Erzbischof von Mailand einsetzen wollte. Heinrich erlaubte ihm diese Vorhaben nicht.

Heinrich verlangte im Gegenzug, dass Gregor sein Amt als Papst aufgab.

Gregor ließ daraufhin den König exkommunizieren.

Ich werde dich deines Amtes als Papst entheben!

Warum ging Heinrich 4 nach Canossa?

Warum ging Heinrich IV. im Winter 1076 nach Canossa und setzte sich selbst, als auch seine Frau und seine Gefolgsleute, dieser gefährliche Reise über die Alpen aus?

Ohne die Unterstützung der Kirche hätte er nur schwer weiterhin als König das Land regieren können.

Die Kirche hatte zu dieser Zeit einen hohen Stellenwert.

Ein König, der kein Teil der christlichen Gemeinschaft mehr war, wurde vom Volk nicht anerkannt.

Meute böse

Die Untertanen Heinrichs waren von ihrem Treueeid an den König gelöst, da dieser aus der Kirche verbannt wurde.

Um seine Macht wiederzuerlangen, bleibt Heinrich nichts anderes übrig, als seine Wiederaufnahme in die Kirche herbeizuführen.

Uhr

Nice to Know
Die Frist, um sich vom Kirchenbann zu lösen, betrug ein Jahr und einen Tag. Somit hatte Heinrich nur begrenzt Zeit.

Was passiert an der Burg?

Heinrich verlor durch die Verbannung viele seiner Unterstützer. Politische Feinde versperrten ihm zudem den einfachen Weg nach Canossa. Er war somit gezwungen, den harten und schweren Weg über die Alpen zu gehen.

An der Burg betete Heinrich 3 Tage lang im Büßergewand und ohne Schuhe um seine Wiederaufnahme.

Der Papst musste diese gewähren, da der König Reue zeigte. Das Amt des Papstes setzte dies voraus, sodass ihm keine andere Wahl blieb.

Heinrichs Macht war wiederhergestellt.

Happiness Heinrich - 1

Gang nach Canossa Jahr

Der Gang nach Canossa fand im Winter 1076/77 statt. Somit liegt er im Hochmittelalter.

War Heinrichs Gang nach Canossa eine Demütigung?

Wie bereits erläutert, stand der König vor dem 11. Jahrhundert über der Kirche.

Der Gang nach Canossa war somit für Heinrich eine Demütigung. da er sich dem Papst unterwerfen musste.

Glühbirne

Allerdings handelte er sehr schlau.

Der Papst musste seine Bitte um Vergebung anerkennen, da das Amt des Papstes dies verlangt.

Somit sicherte sich Heinrich bewusst seine Macht, indem er den Gang nach Canossa antrat.

Weltliche Folgen

Der Gang nach Canossa verursacht mehrere Veränderung:

  • Das Verhältnis zwischen Kirche und König wurde hinterfragt
  • Das Weltbild um die dynastische Legitimation des Königtums wurde hinterfragt
  • Die Macht des Königs wurde erschüttert
  • Die Frage der Investitur wurde diskutiert

Historischer Verlauf nach 1077

Bereits im Vorfeld herrschte ein angespanntes Verhältnis zwischen Gregor und Heinrich.

Die Stimmung im Reich bleibt weiterhin angespannt.
Die Fürsten ließen bereits 1077 einen Gegenkönig aufstellen, um Heinrich die Macht zu nehmen.

Heinrich belagerte 6 Monate lang Rom. Papst Gregor musste daraufhin fliehen und starb kurze Zeit später im Exil.

Sein Nachfolger krönte Heinrich IV. 1084 zum Kaiser.

Heinrich konnte seine Macht aber nicht lange genießen, da sein eigener Sohn eine Rebellion gegen ihn führte.

Gang nach Canossa Sprichwort

Der Gang nach Canossa bezeichnet einen Weg, auf dem man Reue und Vergebung zeigen muss.
Der Ursprung liegt im historischen Gang nach Canossa, welchen Heinrich IV. zurücklegt. Sein Weg war ebenfalls von vielen Schwierigkeiten begleitet.

Lehrer Dialog Canossa (1)

Wo lag Canossa?

Burg

Die Burg Canossa liegt in Oberitalien. Sie war damals der Herrschaftssitz von Markgräfin Mathilde von Canossa.

Im Dezember 1076 besuchte der Papst das Anwesen.

Der Gang nach Canossa – Zusammenfassung

Der Gang nach Canossa ist er der Höhepunkt des Investiturstreits zwischen Heinrich IV. und Gregor VII.

Es ging um die Frage, wer das Recht hatte, Kardinäle und Bischöfe ins Amt einzusetzen.

Heinrich wollte Papst Gregor seines Amtes entheben. Der Papst verbannte Heinrich aus der Kirche.

Der Gang nach Canossa bezeichnet somit die Bitte Heinrichs IV. an dem Papst Gregor VIII. wieder in die Kirche aufgenommen zu werden, um sein Königtum weiter ausführen zu können.

Der Papst befand sich im Dezember 1076 auf der Burg Canossa, zu der Heinrich über die Alpen reisen musste.

Streit Papst König (1)

FAQ- Die meistgestellten Fragen

Wer siegte beim Gang nach Canossa?

Einen richtigen Sieger gab es nicht. Heinrich IV. musste sich zwar dem Papst beugen, was einer Demütigung entsprach.

Gleichzeitig sicherte er sich dadurch aber seine Macht im Reich.

Warum wurde Kaiser Heinrich IV aus der Kirche verbannt?

Heinrich IV. hatte bereits im Zusammenhang des Investiturstreits Probleme mit dem Papst Gregor VII. Der König droht dem Papst mit einer Amtsentziehung.

Der Papst lässt dies nicht auf sich sitzen und exkommuniziert den König.

Was hat Bismarck mit Canossa zu tun?

Der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck sprach 1872 auf einem Reichstag: “Seien Sie versichert, nach Canossa gehen wir nicht!”
Zu dieser Zeit herrschte ein Kulturkampf.

Es wurde versucht, die Macht der christlichen Kirch und des Papstes einzudämmen.

Durch seine Aussage unterstreicht Bismarck, dass er bei seiner Ansicht bleiben wird und sich der Kirche nicht beugen wird.

Hast du noch offene Fragen zum Gang nach Canossa? Teile uns deine Meinung sehr gerne in einem Kommentar und einer Sternebewertung mit!
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