Dyskalkulie beeinträchtigt das Zahlenverständnis

Dyskalkulie beim Kind erkennen und richtig fördern

Ihr Kind hat erhebliche Probleme beim Rechnen? Es besteht der Verdacht auf Dyskalkulie?

Als Elternteil ist es wichtig, dass Sie Ihr Kind unterstützen. Darum erklären wir Ihnen…

  • … was Dyskalkulie ist
  • … auf welche Symptome Sie achten sollten
  • … wie Diagnose und Therapie ablaufen
  • … welche Ursachen es gibt
  • … wie sie Ihr Kind richtig fördern

Lassen Sie uns direkt beginnen!

Dyskalkulie ist eine Rechenstörung, die schon im Kindesalter auftritt und die Betroffenen ein Leben lang begleitet.

Die Begriffe Dyskalkulie, Rechenstörung und Rechenschwäche werden häufig synonym verwendet.

Menschen mit einer solchen Rechenstörung können nicht mit Zahlen umgehen. Die Bedeutung ist ihnen fremd. Zahlen wirken auf sie wie Symbole, die nicht zugeordnet werden können.

Besonders auffällig ist das natürlich im Matheunterricht, wenn die Kinder das Rechnen erlernen sollen. Aber nicht nur das Rechnen bereitet Probleme, auch im Alltag kann es Schwierigkeiten geben.

Frust und Trauer beim Üben sind keine Seltenheit

Alles was mit Zahlen zu tun hat, wird automatisch zur Herausforderung.

Dyskalkulie Symptome erkennen

Je früher Sie die Symptome erkennen und auf sie reagieren, desto besser. Oft werden die Symptome nicht ernst genommen. Sobald sich ein begründeter Verdacht äußert, sollte gehandelt werden.

Umso früher die Rechenstörung erkannt wird, desto schneller kann eine Diagnose gestellt und eine Therapie eingeleitet werden. Das kann Ihrem Kind große Belastung ersparen!

Die Rechenstörung ist bei jedem Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt, mit individuellen Problemen.

Die Herausforderungen treten dabei nicht nur in der Schule auf, sondern auch im Alltag.

Allgemein

Im Allgemeinen ist bei Betroffenen das Verständnis von Zahlen und Mengen beeinträchtigt. Das heißt es findet keine Verknüpfung von Menge und Zahl statt.

Betroffenen fällt es schwer, die Anzahl von Dingen zu benennen

Außerdem verstehen Menschen mit Dyskalkulie die Beziehungen zwischen Zahlen nicht. Ihnen ist also nicht klar, dass eine Zahl teilbar ist oder das Vielfache einer anderen Zahl darstellt.

Es liegt kein intuitives Gefühl für Zahlen vor und das mathematische Faktenwissen ist gering.

Im Kindergarten

Bereits im Vorschulalter, ab ca. 5 Jahren, können Probleme im mathematischen Frühverständnis auffallen.

Beispiele:

  • Kein Verständnis für grundlegende Rechenkonzepte wie “mehr” und “weniger”
  • Schwierigkeiten beim Zählen von Dingen
  • Kein Bewusstsein für Maßeinheiten wie Geld, Zeit, Gewicht, Länge

In der Schule

Grundschule

Wenn in der Grundschule die Zahlen erlernt werden und zum ersten Mal wirklich gerechnet werden soll, wird eine Rechenstörung schon offensichtlicher.

Kinder mit Rechenstörung zählen meist jede Zahl erneut an den Fingern ab

Beispiele:

  • Probleme Zahlen zu benennen und zu schreiben
  • Zahlen und Rechenregeln werden auswendig gelernt anstatt verstanden
  • Schwierigkeiten bei Grundrechenarten (Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division)
  • Zahlenfolgen (wie das 1×1) können sich nur schwer gemerkt werden
  • Zählen mit den Fingern
  • Brauchen sehr lange zum Rechnen
  • Offensichtlich falsche Ergebnisse fallen nicht auf
  • Trotz vielem Üben gibt es kaum Erfolge

Weiterführende Schule

Die Probleme aus der Grundschule bleiben auch in der weiterführenden Schule bestehen. Vor allem dann, wenn noch keine Therapie begonnen wurde.

Die Rechenstörung kann mit der fortschreitenden Mathematik und anderen mathematischen Fächern, wie Physik und Chemie schnell noch gravierendere Ausmaße erreichen.

Bis dahin entwickeln viele Kinder mit Rechenstörung eine “Matheangst”. Sie äußert sich in körperlichen Beschwerden wie Bauchschmerzen. Oft wird das Selbstwertgefühl in Mitleidenschaft gezogen.

Außerdem werden individuelle (Rechen-)Strategien im Umgang mit der Dyskalkulie entwickelt.

Ohne eine richtige Diagnose, geben sich die Betroffenen häufig selbst die Schuld und halten sich für dumm. Aufgrund der Rechenschwäche haben sie oft mit Unverständnis und Mobbing zu kämpfen.
Es können Angststörungen, wie Prüfungsangst und Depressionen entwickelt werden.

Im Alltag

Besonders bei einer stark ausgeprägten Dyskalkulie macht sich das fehlende Zahlenverständnis im Alltag bemerkbar.

Wenn Betroffene die Uhr nicht lesen können, kann sich das erheblich auf ihr Zeitgefühl auswirken

Beispiele:

  • Kein Zeitgefühl → Probleme die Uhr zu lesen
  • Schwierigkeiten im Umgang mit Geld → es ist nicht klar, wie viel ausgegeben wird
  • Probleme Adressen zu finden → z.B. Postleitzahlen, Hausnummern, Stockwerke

Dyskalkulie Test zur Diagnose

Dyskalkulie gilt als starke Beeinträchtigung beim Rechnen. Für die offizielle Diagnose müssen 4 Punkte erfüllt sein:

  • Keine allgemeine Intelligenzminderung
  • Tritt spätestens im Schulalter auf
  • Nicht durch äußere Umstände erklärbar (z.B. längeres Fehlen in der Schule)
  • Nicht wegen Sinnesbeeinträchtigungen (z.B. schlecht hören oder sehen)

Das heißt, wer an einer solchen Rechenschwäche leidet ist auf keinen Fall weniger schlau als andere! Die schon früh auftretenden Schwierigkeiten beim Rechnen können aber nicht durch anderweitige besondere Umstände erklärt werden.

Aber wie läuft so ein Test ab?

Ansprechpartner für eine Diagnose sind Schulpsychologen, Kinder- und Jugendpsychiater oder spezialisierte Kinderärzte.

Bei der Diagnose gibt es Gespräche mit den Experten, der IQ wird getestet und neben weiteren Untersuchungen wird auch ein Mathetest gemacht.

Wenn man bei diesem Mathetest schlechter als 93% der Gleichaltrigen ist und die oberen 4 Punkte zutreffen, bekommt man die Diagnose Dyskalkulie.

3-7% der Bevölkerung sind von Dyskalkulie betroffen.

Das bedeutet, im Durchschnitt hat in einer Schulklasse mit 20 Kindern eine Person Dyskalkulie.

Dyskalkulie Therapie

  • Neurobiologisch fundierte Testverfahren
  • Gespräch mit Lehrern
  • Verhaltensbeobachtung der Eltern
  • Lautes Denken beim Rechnen
  • Auf welcher Kompetenzstufe bewegt sich das Kind?
  • Warum konnte die nächste Kompetenzstufe nicht erreicht werden?
  • Welche Stärken können helfen?
  • An welchen Schwächen kann gearbeitet werden?
  • Welche Aufgabe kann mit den eigenen Strategien gerade noch gelöst werden?
  • Entwicklung eines eigenen mathematischen Verständnisses
    → Was ist eine Zahl?
    → Beziehungen zu anderen Zahlen
    → Vorstellung vom Zahlenraum
    → Was bedeutet es Plus oder Minus zu rechnen?
  • Konnte eine neue Kompetenzstufe erreicht werden?
  • Was sind die neuen Anforderungen dieser Stufe?
  • Hilfsmittel, z.B. Taschenrechner
  • Nachteilsausgleich
  • Richtiger Umgang von Lehrern mit Betroffenen

Es gibt keine pauschale Therapiedauer. Es sind durchaus mehrere Jahre zu erwarten.

Dyskalkulie Ursachen

Dyskalkulie als spezifische Lernstörung hat seine Ursachen im neurobiologischen Bereich.

Bei einer Rechenstörung sind die Bereiche im Gehirn für Zahlen und Mengen nicht ausreichend vernetzt

Die Bereiche im Gehirn, die für die Verarbeitung von Zahlen und Mengen verantwortlich sind, sind bei Betroffenen weniger stark vernetzt.
→ Daher auch das geringe Verständnis für den Zusammenhang von Zahlen und Mengen.

Zusätzlich kann das Arbeitsgedächtnis beeinträchtigt sein. Das kurzfristige Speichern von Informationen, z.B. für eine Textaufgabe, funktioniert nicht richtig.

Dyskalkulie kann erblich bedingt sein. Ist ein Elternteil ebenso von einer Rechenstörung betroffen, ist das Risiko selbst an Dyskalkulie zu leiden 10% höher.

Die Ursachen für Dyskalkulie werden weiter erforscht.

Achtung!

Zusätzlich leiden 30-40% der Betroffenen an einer Lese-Rechtschreib-Schwäche und 10-20% der Betroffenen haben zugleich ADHS. Die Bedingungen werden dadurch erschwert.

Dyskalkulie Förderung zu Hause und in der Schule

Zu Hause

Eltern sollten Ihren Kindern erklären können, was Dyskalkulie ist und sie auf ihrem Weg der Therapie unterstützen

Für eine adäquate Förderung zu Hause sollten Sie als Eltern sehr gut über Dyskalkulie Bescheid wissen. Es ist wichtig, dass Sie auch Ihrem Kind erklären können, woher die Rechenstörung kommt und welches Ausmaß sie hat.

Generell wichtige Informationen rund um das Thema finden Sie beim Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. → https://www.bvl-legasthenie.de/

Wichtig für Eltern:

Sie sollten Ihrem Kind eine emotionale Stütze sein. Verdeutlichen Sie, dass Mathematik nicht alles ist und zeigen Sie Ihrem Kind die eigenen Stärken auf.

Sie sollten keinen Erwartungsdruck aufbauen, sondern Ihr Kind entlasten.

Loben und belohnen Sie Ihr Kind bei jedem kleinen Fortschritt. Machen Sie aber dennoch klar, dass die Bemühungen im Umgang mit der Dyskalkulie langfristig sein werden und Zeit brauchen.

Holen Sie sich Hilfe! Vertrauen Sie auf die Arbeit und Expertise der Lerntherapeuten.

In der Schule

Kinder mit Dyskalkulie sollten im Unterricht nicht bloßgestellt werden

Eine Zusammenarbeit zwischen Therapeuten und Lehrern ist wichtig, denn die Lehrer müssen wissen, wie der richtige Umgang mit betroffenen Kindern aussieht.

Wird in der Schule ein Bewusstsein für das Problem geschaffen, können dem Kind unangenehme Situationen, wie vor den Mitschülern an der Tafel zu rechnen, erspart werden.


Unter Umständen besteht die Möglichkeit eines Nachteilsausgleichs. Hier gibt es jedoch Unterschiede zwischen den Bundesländern, da jedes Kultusministerium eigene Bestimmungen hat. Ausschlaggebend ist das Schulrecht.

In den meisten Bundesländern gilt der Nachteilsausgleich nur in der Grundschule und ist dabei generell unzureichend.

Insofern es das Schulrecht zulässt, kann die Klassenkonferenz einen individuellen Nachteilsausgleich festlegen, der u.a. aus folgenden Elementen bestehen kann:

  • Verlängerung der Arbeitszeit
  • Zulassung von Hilfsmitteln
  • Differenzierte Aufgabenstellung
  • Anpassung der Aufgabenstellung an Lernniveau des Kindes
  • Mündliche statt schriftliche Arbeiten
  • Aussetzung der Notengebung

FAQ

Wie äußert sich eine Dyskalkulie?

Die Rechenstörung zeigt sich besonders in der Schule bei Rechnen.

Betroffene haben kein intuitives Zahlengefühl. Für sie erscheinen Zahlen und Mengen ohne Bedeutung.

Auch im Alltag können Probleme auftreten, z.B. beim Umgang mit Geld oder dem Zeitverständnis.

Ist Dyskalkulie heilbar?

Nein, aber mit Therapie behandelbar. Mit einem individuellen Therapieplan und Förderung kann auf die speziellen Schwächen des Einzelnen eingegangen werden. Die Betroffenen entwickeln in der Regel eigene Strategien im Umgang mit der Rechenschwäche.

Woher kommt eine Dyskalkulie?

Es handelt sich um ein neurologisches Problem. Die Gehirnbereiche zur Verarbeitung von Zahlen und Mengen sind nicht ausreichend vernetzt. Außerdem kann das Arbeitsgedächtnis eingeschränkt sein.

Oft sind die Eltern selbst vorbelastet und vererben die Rechenschwäche an ihr Kind.

Was kann ich tun bei Dyskalkulie?

Bei der Diagnose Dyskalkulie sollte eine individuelle Lerntherapie eingeleitet werden.

Wird Dyskalkulie in der Schule berücksichtigt?

Unter Umständen kann es einen Nachteilsausgleich für die Rechenschwäche geben. Die Regelungen hierfür sind jedoch nicht einheitlich und gelten meist nur in der Grundschule. Sie sollten sich speziell für das eigene Bundesland informieren.

Wer übernimmt die Kosten bei einer Prüfung auf Dyskalkulie?

Die Kosten für eine Diagnosestellung der Dyskalkulie wird von der Krankenkasse übernommen.

Ein zusätzliches, ausführliches medizinisches Gutachten kann kostenpflichtig sein. Das sollten Sie mit Ihrem Arzt abklären.

Wer zahlt eine Lerntherapie?

Es gibt keine automatische Kostenübernahme für außerschulische Förderungen von Dyskalkulie, sodass grundsätzlich die Eltern die Kosten tragen.

Beim zuständigen Jugendamt kann ein Antrag aufEingliederungshilfe” gestellt werden. Voraussetzung hierfür ist die Bedrohung der seelischen Gesundheit des Kindes. Wird der Antrag bewilligt, zahlt das Jugendamt die außerschulische Förderung.

Wir hoffen, unser Artikel konnte Ihnen weiterhelfen.

Teilen Sie gerne für andere Eltern und Betroffene Ihre Erfahrungen mit Dyskalkulie.

Sollten Sie noch offene Fragen haben, können Sie diese ebenfalls in den Kommentaren stellen!

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