Die 5 wichtigsten Kommunikationsmodelle

Die 5 wichtigsten Kommunikationsmodelle – so funktioniert Kommunikation

Wieso kommt es eigentlich so oft zu Missverständnissen? Und wieso machen Meinungsverschiedenheiten die Kommunikation oft so schwer? Um die menschliche Kommunikation zu begreifen, wurden über die Jahre viele verschiedene Kommunikationsmodelle entwickelt.

Dieser Artikel stellt dir die 5 wichtigsten Kommunikationsmodelle vor.

Erfahre, wieso Kommunikation häufig scheitert und wie sie im Idealfall funktioniert.

Kommunikationsmodelle veranschaulichen den Prozess der Kommunikation. Sie zeigen, welche Faktoren bei der Kommunikation von Bedeutung sind, welche Probleme auftreten können und wie sich diese bewältigen lassen.

Ziel der Kommunikationsmodelle ist es, die menschliche Kommunikation zu erklären, zu verstehen und dadurch zu verbessern.

Und diese Modelle stellen wir dir nun genauer vor:

  1. Das Vier-Ohren-Modell
  2. Die 5 Axiome der Kommunikation
  3. Das Eisbergmodell
  4. Das Sender-Empfänger-Modell
  5. Das Organon-Modell

Das Vier-Ohren-Modell – Friedemann Schulz von Thun

Das Vier-Ohren-Modell von Friedemann Schulz von Thun ist auch bekannt als Vier-Seiten-Modell oder Kommunikations- bzw. Nachrichtenquadrat.

Das Vier-Ohren-Modell - Friedemann Schulz von Thun

Das Kommunikationsmodell besagt, dass jede Äußerung, die ein Mensch von sich gibt, vier Botschaften gleichzeitig übermittelt.

Klicke auf die jeweilige Botschaft, um mehr zu erfahren:

1. Die Sachinformation

➤ enthält das, worüber informiert wird

Hier steht die Sachebene im Vordergrund. Es geht um Daten, Fakten und Sachverhalte. Dabei gibt es drei Kriterien:

  • wahr oder unwahr
  • relevant oder irrelevant
  • hinlänglich oder unzureichend

Der Sender muss den Sachverhalt für den Empfänger verständlich ausdrücken. Dieser kann entsprechend der drei Kriterien auf den Inhalt reagieren.

2. Die Selbstkundgabe

➤ das, was der Sender der Nachricht von sich zu erkennen gibt

Bei der Selbstkundgabe gilt der Grundsatz: Wenn jemand etwas von sich gibt, gibt er auch etwas von sich. Das bedeutet, dass jede Äußerung ganz automatisch etwas über die Persönlichkeit des Senders preis gibt.

Der Sender kann diese Informationen bewusst oder unbewusst kommunizieren, der Empfänger nimmt sie wahr und fragt sich z.B. “Was ist das für einer?”

3. Der Beziehungshinweis

wie der Sender zum Empfänger steht und was er von diesem hält

Die Beziehungshinweise werden durch die jeweilige Formulierung, den Tonfall, die Mimik und durch die Gestik des Senders implizit oder explizit vermittelt.

Der Empfänger kann sich durch den gesendeten Beziehungshinweis nun zum Beispiel wertgeschätzt, abgelehnt, geachtet oder missachtet fühlen.

4. Der Apell

➤ das, was der Sender beim Empfänger erreichen möchte

Auf der Apellseite nimmt der Sender mit seiner Äußerung Einfluss auf den Empfänger. Er sendet (oft versteckt) Wünsche, Apelle, Ratschläge oder Handlungshinweise.

Nun fragt sich der Empfänger, was er jetzt (nicht) machen, denken oder fühlen soll.

Beispiel für das Vier-Ohren-Modell

Ein klassisches Beispiel ist eine Autofahrt eines Paares, bei der die Frau fährt.

Vor einer roten Ampel kommen sie zum Stehen. Als es dann grün wird, sagt der Mann: “Es ist grün!”. Daraufhin sagt die Frau: “Fahre ich oder fährst du?”

Folgendes sagt der Mann, der Sprechende, mit seiner Aussage aus:

  • Sachebene: Die Ampel ist grün
  • Selbstoffenbarung: Ich möchte weiter/Ich habe es eilig
  • Beziehungshinweis: Ich wäre schon längst weitergefahren=Ich fahre besser
  • Appell: Fahr jetzt (sofort) los

Die Frau kann jetzt unterschiedlich reagieren:

Mit der Aussage “Fahre ich oder fährst du?” hat sie wahrscheinlich die Aussage auf dem Beziehungsohr vernommen und fühlt sich angegriffen/verletzt.

Der Sender bringt die jeweilige Äußerung also mit seinen “vier Schnäbeln” an die “vier Ohren” des Empfängers. Beide sind für eine erfolgreiche Kommunikation verantwortlich. Die unmissverständliche Kommunikation stellt den Idealfall dar.

Die 5 Axiome der Kommunikation – Paul Watzlawick

Paul Watzlawick hat 5 Grundsätze (Axiome) der Kommunikation verfasst, die den Zusammenhang zwischen der menschlichen Kommunikation und Emotionen sowie Beziehungen aufzeigen.

Mit einem Axiom ist übrigens ein Grundsatz gemeint, der keines Beweises bedarf.

Und das hier sind die 5 Axiome der Kommunikation nach Paul Watzlawick mit ihrer Bedeutung:

1. Man kann nicht nicht kommunizieren

“Man kann nicht nicht kommunizieren”

➢ klingt auf den ersten Blick vielleicht unlogisch, doch betrachten wir diese Aussage Watzlawicks einmal genauer:

Jedes Verhalten – ob mit Worten oder ohne – eines Menschen sendet letztlich ein Signal an die Umgebung. Kommunikation ist wie Verhalten und man kann sich weder nicht nicht verhalten, noch kann man nicht nicht kommunizieren.

Wenn zum Beispiel eine Person mit Kopfhörern und einem Buch in der Bahn sitzt, übermittelt das die Botschaft: Die Person will in Ruhe gelassen werden und möchte gerade mit niemandem in Kontakt treten.

Die Person im Zug kommuniziert also.

2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt

“Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei letzterer den ersten bestimmt.”

➢ das schlüsseln wir einmal auf:

Aufgabe des Inhaltsaspektes ist es, die bloßen Informationen zu vermitteln. Gleichzeitig wird aber auch vermittelt, in welcher Beziehung der Sender zum Empfänger steht. Gestik, Tonfall und Mimik sind dabei entscheidende Faktoren. Es gibt keine rein informative Kommunikation, die gänzlich frei von Beziehungsaspekten ist.

Ein bekanntes Beispiel: “Sie haben aber eine schöne Perlenkette. Ist die echt?”
Inhaltsaspekt: Frage nach Informationen über die Beschaffenheit der Perlen.
Beziehungsaspekt: Je nachdem, wie die Frage gestellt wird, wird dadurch Neugierde, Bewunderung oder auch Skepsis vermittelt.

Wenn der Empfänger die Frage auf der Beziehungsebene anders auffasst, als sie eigentlich gemeint war, entstehen Kommunikationsfehler.

3. Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung

“Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt.”

➢ das bedeutet:

Kommunikation beruht auf einem Wechselspiel zwischen Aktion und Reaktion. Die Kommunikation besteht aus Ursache, Reiz und Wirkung. Der Kommunikationsprozess folgt einer gewissen Struktur, die Gesprächspartner reagieren ständig aufeinander.

Zum Beispiel: Ist der Lehrer wütend, weil die Schüler lustlos sind, oder sind die Schüler lustlos, weil der Lehrer wütend ist?

Vermutlich werden beide Seiten ihr Verhalten mit dem des Anderen begründen. Jeder empfindet seine eigene Version als wahr, wodurch Konflikte entstehen. Diesem Dilemma entkommt man, indem offen und nach vorn ohne Vorwürfe kommuniziert wird.

4. Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten

Es kann digital (ohne Interpretationsspielraum) und analog (mit Interpretationsspielraum) kommuniziert werden.

  • Digital (verbal): Hier wird der Inhaltsaspekt einer Nachricht vermittelt. Die Bedeutung der übermittelten Zeichen ist eindeutig. Schrift und Sprache sind nach Watzlawick digitale Kommunikationstechniken.
  • Analog (nonverbal): Hier wird der Beziehungsaspekt der Nachricht vermittelt. Hierunter werden die nichtsprachlichen Elemente – wie Gestik und Mimik – gefasst. Hierbei kann man seinem Gegenüber etwas “zwischen den Zeilen” mitteilen. Die analoge Kommunikation ist mehrdeutig und kann unterschiedlich verstanden werden.

Beispiel: Ein Freund von dir weint.

Durch seine Mimik und Gestik erkennst du, dass er traurig ist (analog). Warum er traurig ist, kannst du nicht wissen. Er erzählt dir, dass er sich mit einer Freundin gestritten hat (digital). Jetzt kennst du den Grund, aus dem er traurig ist.

Digitale und analoge Kommunikation sollten im Idealfall übereinstimmen.

5. Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär

“Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichgewicht oder Unterschiedlichkeit beruht.”

➢ sprich:
Wenn Kommunikation symmetrisch ist, kommunizieren die Gesprächspartner auf Augenhöhe miteinander und spiegeln so auch gegenseitig ihr Verhalten wider. Bei komplementärer Kommunikation stehen hingegen die Unterschiede der Gesprächspartner im Vordergrund. Diese Unterschiede können dann dazu genutzt werden, sich gegenseitig zu ergänzen. Es kann allerdings auch dazu kommen, dass sich ein Gesprächspartner unterordnet.

Beispiel:

  • Symmetrische Gesprächspartner: Kommunikation unter Freunden
  • Komplementär: Eltern und Kind, Schüler und Lehrer

Das Eisbergmodell – Sigmund Freud

Das Eisbergmodell von Sigmund Freud ist eines der bekanntesten Kommunikationsmodelle. Das Modell veranschaulicht die sichtbare und die unsichtbare Ebene der menschlichen Kommunikation.

Nur etwa 20% eines Eisberges sind auf den ersten Blick sichtbar. Die verbliebenen 80% befinden sich nämlich unter der Wasseroberfläche. Auch bei der menschlichen Kommunikation findet ein großer Teil unsichtbar und unbewusst statt.

Das Eisbergmodell stellt dar, wie Menschen miteinander kommunizieren, und zeigt dabei auf, was alles zwischen den Zeilen gesagt wird und was unausgesprochen übermittelt wird.

Eisbermodell von Sigmund Freud

In der bewussten und sichtbaren Sachebene existieren Zahlen, Daten und Fakten.

Währenddessen steht die Beziehungsebene für die unbewussten und unsichtbaren Elemente und umfasst prägende Faktoren aus der Vergangenheit. Die Ebene lässt sich noch in eine vorbewusste Unterebene einteilen. Dort existieren zum Beispiel Erfahrungen. In der gänzlich unbewussten Ebene sind beispielsweise Instinkte verankert.

Das Kommunikationsmodell zeigt also, dass nur der kleinste Teil der Kommunikation tatsächlich verbal stattfindet, während der viel größere Teil über die Beziehungsebene durch Mimik, Gestik und den Tonfall vermittelt wird.

Wenn es Konflikte auf Seiten der Beziehungsebene gibt, wirkt sich das auf die Sachebene aus. Eine reibungslose Kommunikation findet dann statt, wenn beide Ebenen miteinander im Einklang stehen.

Das Sender-Empfänger-Modell – Claude E. Shannon / Warren Weaver

Das Sender-Empfänger-Modell, auch bekannt als Shannon-Weaver-Modell (nach seinen Entwicklern), zeigt, wie die Vermittlung von Botschaften funktioniert und wo dabei Probleme entstehen, die die Kommunikation stören.

Das Sender-Empfänger-Modell - Claude E. Shannon / Warren Weaver

Grundidee des Modells ist, dass zur Kommunikation immer zwei Gesprächspartner gehören – ein Sender und ein Empfänger. Der Sender nutzt einen Code (die Sprache), um seine Nachricht an den Empfänger zu übermitteln. Am Empfänger liegt es nun, diesen Code zu entschlüsseln. Schließlich folgt eine Antwort zurück an den Sender.

Ziel ist es, dass der Inhalt, den der Sender übermitteln möchte, vom Empfänger richtig identifiziert und decodiert wird. Das funktioniert dann, wenn beide Gesprächspartner den gleichen Code benutzen. In der Realität kommen allerdings häufig Störfaktoren hinzu, die zu Missverständnissen führen.

Beispiele für Störfaktoren:

Die Gesprächspartner sprechen unterschiedliche Sprachen - durch die Übersetzung kann sich der ursprüngliche Inhalt verändern

Doppeldeutigkeiten

Sarkasmus, der nicht verstanden wird

unklare Ausdrucksweisen

Außengeräusche

Fehlende Aufmerksamkeit

Übrigens kann das Sender-Empfänger-Modell auch bei nonverbaler und bei paraverbaler Kommunikation Anwendung finden. Bei nonverbaler Kommunikation ändert sich der Code von Sprache in körperliche Signale, bei paraverbaler in Tonfall, Lautstärke etc. Diese Codes müssen dann ebenfalls vom Empfänger erkannt und interpretiert werden.

Natürlich kann es aber auch hier zu Missverständnissen kommen.

Beide Gesprächspartner sollten den Code entsprechend hinterfragen. Letztlich sind beide Parteien dafür verantwortlich, dass die Kommunikation erfolgreich ist.

Das Organon-Modell – Karl Bühler

An Kommunikation sind nach dem Organon-Modell von Karl Bühler immer drei Aspekte beteiligt:

  • Sachverhalt – also die Nachricht
  • Sender – derjenige, der den Sachverhalt verbreitet
  • Empfänger – derjenige, der den Sachverhalt wahrnimmt

Das Organon-Modell betrachtet die Sprache als Werkzeug, mit dem Menschen Nachrichten an ihren Gegenüber vermitteln können. Sender und Empfänger sind durch die Sprache miteinander verbunden.

Das Organon-Modell - Karl Bühler

Hier kommst du zu den drei Funktionen des sprachlichen Zeichens im Organon-Modell, zu praktischen Beispieln und noch weiteren wichtigen Informationen über das Kommunikationsmodell von Karl Bühler.

Quiz zu den Kommunikationsmodellen

Nachdem du dir diese 5 Kommunikationsmodelle nun näher angesehen hast, kannst du hier dein Wissen darüber überprüfen! Hast du auch wirklich alles verstanden?
Ordne die Aussagen jeweils dem richtigen Kommunikationsmodell zu:

Results

#1. Nur ein kleiner Teil unserer Kommunikation findet bewusst statt.

#2. Sender und Empfänger sind durch die Sprache miteinander verbunden.

#3. Nachrichten werden codiert übermittelt.

#4. Es ist nicht möglich, nicht zu kommunizieren.

#5. Wenn jemand etwas von sich gibt, gibt er auch etwas von sich.

finish

Übersicht weiterer Modelle

Die 5 hier vorgestellten Kommunikationsmodelle sind nur einige – wichtige – von vielen Modellen. Hier findest du einer Übersicht mit weiteren Kommunikationsmodellen:

Feldschema der Massenkommunikation – Gerhard Maletzke

Agenda-Building-Ansatz – Gladys E. Lang / Kurt Lang

Agenda-Setting-Ansatz – Maxwell E. McCombs / Donald L. Shaw

Theorie der Schweigespirale – Elisabeth Noelle-Neumann

Wissenskluft-Hypothese – Philip J. Tichenor / George A. Donohue / Clarice N. Olien

Stimulus-Response-Modell – B.F. Skinner

Verstärkerthese – Joseph Klapper

Gatekeeper-Ansatz – David M. White

Kommunikationsmodell – Lazarsfeld

Cultural Studies – Stuart Hall

Kultivierungsthese – George Gerbner / Larry Gross

Uses-and-Gratifications-Ansatz – Elihu Katz / David Foulkes

Systemtheorie – Niklas Luhmann

Symbolischer Interaktionismus – Herbert Blumer

Theorie des kommunikativen Handelns – Jürgen Habermas

Nudge Nachhilfe

FAQ

Was leisten Kommunikationsmodelle?

→ Kommunikationsmodelle sind dazu da, um die komplexen Zusammenhänge, Ebenen und Prozesse der Kommunikation zu veranschaulichen.

Wie kann man kommunizieren?

→ Man kommuniziert, in dem man Informationen austauscht oder überträgt.

Welche Art der Kommunikation gibt es?

  • Face-to-Face Kommunikation
  • Massenkommunikation
  • Gruppenkommunikation
  • organisationale Kommunikation
  • Telekommunikation

Warum kann man nicht nicht kommunizieren?

→ Kommunikation ist Verhalten und da man sich nicht nicht verhalten kann, kann man auch nicht nicht kommunizieren.

Konnte dir dieser Artikel dabei helfen zu verstehen, wie Kommunikation funktioniert und was dabei alles schief gehen kann? Welches Kommunikationsmodell hat dir dabei am Besten geholfen?

Wir sind gespannt auf deinen Kommentar dazu!

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1 Kommentar zu „Die 5 wichtigsten Kommunikationsmodelle – so funktioniert Kommunikation“

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