Laissez-Faire Erziehungsstil

Laissez-Faire Erziehungsstil: Können Kinder sich selbst erziehen?

Heutzutage gibt es eine Vielzahl an Erziehungsstilen, zwischen denen (werdende) Eltern wählen können. Dabei stehen Fürsorge, Zuneigung und ein stabiles Umfeld sicher ganz oben auf der Liste für eine gute und liebevolle Kindererziehung.

Mit diesen Merkmalen hat der Laissez-Faire Erziehungsstil wahrscheinlich eher weniger zu tun.

Was hinter dieser Form der Kindererziehung steht und warum Eltern diese eher vermeiden sollten, erfährst du hier.

Das diese Form der Kindererziehung als “Erziehungsstil” bezeichnet wird, scheint nach näherer Betrachtung widersprüchlich zu sein.

Denn beim Laissez-Faire Erziehungsstil findet eigentlich keine Erziehung (durch die Eltern) statt.

Laissez-Faire Erziehung

Diese Erziehungsform wird aus diesem Grund auch als Nicht-Erziehung bezeichnet.

Laissez-Faire kommt aus dem französischen und bedeutet übersetzt “machen lassen”.

Die Eltern verhalten sich passiv und uninteressiert gegenüber ihrem Kind. Sie stellen keine klaren Regeln auf und lassen das Kind machen, was es will.

Das Kind ist auf sich alleine gestellt und wächst ohne Grenzen auf.

Verhältnis zwischen Eltern und Kind:

  • Das Verhältnis ist gleichgültig, neutral und distanziert.
  • Eltern spielen keine aktive Rolle im Leben des Kindes.
  • Kind fällt Entscheidungen selbst, ohne Austausch mit Eltern.
  • Eltern greifen nicht fördernd ein und loben ihr Kind nicht.
  • Es wird keine emotionale Beziehung aufgebaut.

Unterschied zum Antiautoritären Erziehungsstil

Der Laissez-Faire Erziehungsstil bildet somit einen Gegenpol zur autoritären Erziehung und weist Ähnlichkeiten zum antiautoritären Erziehungsstil auf.

Der Laissez-Faire Erziehungsstil geht aber weiter in Bezug auf das nicht setzen von Regeln und Grenzen, die bei dem antiautoritären Erziehungsstil zumindest hin und wieder zu finden sind.

Außerdem ist die antiautoritäre Erziehung nicht von Gleichgültigkeit geprägt. Die individuellen Fähigkeiten des Kindes sollen gefördert werden, ohne dass das Kind durch klare Grenzen eingeschränkt wird.

Kindererziehung ohne Regeln – Die Folgen und Auswirkungen

Die Laizzez-Faire Erziehung ist mit einer Reihe von Nachteilen verbunden. Die Folgen einer solchen Nicht-Erziehung können das Kind das ganze Leben lang begleiten.

1. Alltag

Dem Kind fehlt im Alltag ein geregelter Tagesablauf. Außerdem ist es durch die fehlende Leitung der Eltern oftmals orientierungslos.

Das Kind kann sich keine eigene Meinung bilden, da kein Austausch mit den Eltern stattfindet und so richtig und falsch nicht unterschieden werden können.

2. Sozialverhalten

Da das Kind durch eine Laissez-Faire Erziehung größtenteils auf sich alleine gestellt ist, lernt es keine sozialen Werte und Normen. Dieses kann zu einem gestörten Sozialverhalten führen.

In der Schule und im späteren Leben hat das Kind Schwierigkeiten dabei sich anzupassen und geforderte Leistungen zu bringen.

Das Kind hat Probleme damit Regeln und Grenzen zu befolgen und sich in die Gesellschaft einzufügen.

Kinder ohne Regeln

3. Aufbau von Beziehungen

Durch die passive und neutrale Einstellung der Eltern wird keine positive emotionale Beziehung zum Kind aufgebaut.

Daraus folgend hat das Kind Probleme dabei, selbst Beziehungen zu Anderen aufzubauen und diese zu halten.

4. Persönliche Probleme

Die neutrale Beziehung zwischen Eltern und Kind kann starke emotionale und körperliche Folgen für das Kind haben.

Kinder, die nach dem Laissez-Faire Erziehungsstil erzogen wurden, neigen häufiger zu Aggressionen und Kriminalität.

Durch die Anforderungen in der Schule, die nicht erreicht werden können, entstehen Versagensängste.

Laissez-Faire Erziehung Folgen

Bei Bindungsschwierigkeiten hilft Laissez-Faire erzogenen Kindern meist nur noch eine therapeutische Behandlung.

Laissez-Faire Erziehungsstil: Gibt es Vorteile?

Nach den zahlreichen Nachteilen, fragst du dich bestimmt, warum man diesen Erziehungsstil überhaupt anwenden soll.

Auf der einen Seite wollen Eltern, die ihr Kind nach dem Laissez-Faire-Erziehungsstil aufziehen, einen großen Freiraum lassen. Das Kind soll von der Erziehungsperson nicht in eine bestimmte Richtung gedrängt werden.

Das Kind soll ohne das Einmischen von den Eltern eine eigene Persönlichkeit entfalten. Außerdem sollen Selbstständigkeit und Kreativität entwickelt werden.

Die Individualität steht dabei ganz oben auf der Argumentationsliste für diesen Erziehungsstil.

Im Allgemeinen stehen Pädagogen und Bildungsexperten dem Erziehungsstil kritisch gegenüber, da diese Vorteile in der Praxis nicht auftreten bzw. von den Nachteilen übertroffen werden.

Auf der anderen Seite können Eltern diese “positiven” Hintergedanken fehlen. Diese Eltern wenden den Laissez-Faire Erziehungsstil aufgrund von Gleichgültigkeit, Überforderungen oder fehlender Zeit an.

Auch eine Konfliktangst der Eltern kann dazu führen, dass sie ihr Kind lieber alleine lassen, als einen aktiven Austausch zu führen.

Laissez-Faire Erziehungsstil Auswirkungen

Die Top 9 Erziehungsziele in Deutschland

Im Zuge der Ipsos Studie “Erziehungsziele Heute” wurde Personen aus deutschen Haushalten die folgende Frage gestellt:

Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten jetzt ein Kind erziehen? Welche der folgenden Erziehungsziele halten Sie dann für besonders wichtig?

Diese Top 9 Erziehungsziele der Deutschen sind das Ergebnis der Studie:

Ehrlichkeit 74%
Respekt 62%
Verlässlichkeit 61%
Hilfebereitschaft 60%
Höflichkeit 59%
Freundlichkeit 59%
Selbstständigkeit 59%
Selbstvertrauen 59%
Benehmen/Anstand 58%

Diese Erziehungsziele sind mit dem Laissez-Fairen Erziehungsstil sicher schwer zu erreichen.

Eltern in Deutschland wenden daher einen anderen Erziehungsstil an, um ihr Kind bestmöglich zu erziehen.

Es handelt sich dabei um den flexiblen Erziehungsstil.

Laissez-Fair Erziehungsstil im Vergleich

In der Praxis ist heutzutage die flexible Erziehung am beliebtesten. Diese setzte sich aus einer Mischung verschiedener Erziehungsstile zusammen.

Die größten Einflüsse kommen dabei aus dem demokratischen Erziehungsstil, der durch einen Austausch zwischen Kind und Erziehungsperson geprägt ist.

Aber weist der Laissez-Faire Erziehungsstil Gemeinsamkeiten zur heute verbreiteten flexiblen Erziehung auf? Kurz gesagt: Nein.

Anhand der Merkmale, die in der folgenden Tabelle zusammengetragen sind, sind die Unterschiede zwischen der Laissez-Fairen und flexiblen Erziehungsform deutlich zu erkennen.

Laissez-Fairer Erziehungsstil

Flexibler Erziehungsstil

Keine Beteiligung der Eltern

Demokratisch geprägter Erziehungsansatz, Erziehung geschieht situationsabhängig, Austausch zwischen Kind und Eltern

Eltern verhalten sich freundlich aber neutral, passiv, gleichgültig und desinteressiert

Erziehung beruhend auf Liebe, Fürsorgen, Geborgenheit, Verständnis

Kein Loben und keine Strafen

Kinder werden gelobt und Fehlverhalten hat Konsequenzen

Keine Regeln und Grenzen

Eltern setzen Regeln und Grenzen

Keine Einmischung in Alltag

Eltern geben Orientierungspunkte vor, Balance zwischen Autorität und Freiraum

Keine Erwartungen

Eltern als moralisches Vorbild

Kinder traurig

Laissez-Faire Erziehung im 21. Jahrhundert

Aufgrund der vielen negativen Folgen, wird der Laissez-Faire Erziehungsstil von vielen Experten kritisiert.

Pädagogen und Erziehungswissenschaftler sehen diese Form der Erziehung wegen der Vernachlässigung des Kindes durch die Eltern, als gefährlich an.

Heutzutage wird der Laissez-Faire Erziehungsstil nur noch selten angewendet. Jedoch werden einzelne Aspekte dieses Stils in andere Erziehungsformen übernommen.

Zusammenfassung: Laissez-Faire Erziehung

  • Der Laissez-Faire Erziehungsstil ist geprägt durch Distanz und Neutralität zwischen Eltern und Kind.
  • Das Kind wächst auf sich alleine gestellt und ohne eine emotionale Bindung zu der Erziehungsperson auf.
  • Die Eltern lassen das Kind machen, was es will, sodass es seine eigene Persönlichkeit entwickeln kann und selbstständig wird. In der Praxis erweisen sich diese “Vorteile” als unbedeutend, da mit der Nicht-Erziehung zahlreiche Nachteile kommen.
  • So hat das Kind viele Probleme im Alltag, ein gestörtes Sozialverhalten und Schwierigkeiten beim Aufbau von Beziehungen. Diese Probleme des Kindes lassen sich meist nur noch durch eine therapeutische Behandlung beheben.
  • Der Laissez-Faire Erziehungsstil ist heute nicht mehr oft in seiner Reinform anzutreffen und weist auch keine Ähnlichkeiten zu dem heutzutage weit verbreiteten flexiblen Erziehungsstil auf.

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