Kissenschlacht

Die antiautoritäre Erziehung – Ein Leben ohne Regeln und Grenzen?

Irgendwann werden sich wohl alle werdenden Eltern die Frage stellen, welcher Erziehungsstil am besten zu ihnen passt. Eine mögliche Antwort auf diese Frage ist die antiautoritäre Erziehung.

Doch was bedeutet das eigentlich? In diesem Artikel haben wir zusammengefasst…

  • … was unter einer antiautoritären Erziehung zu verstehen ist
  • … was diesen Erziehungsstil ausmacht
  • … was die Vor- und Nachteile der antiautoritären Erziehung sind

Beginnen wir zunächst mit der Definition!

Antiautoritäre Erziehung Definition – Der Erziehungsstil einfach erklärt

Entstanden ist die antiautoritäre Erziehung in den 1960er und 1970er Jahren. Sie war eine Reaktion auf die meist streng autoritäre Erziehung, die bis dahin üblich und weit verbreitet war.

Im Vordergrund der antiautoritären Erziehung steht die völlig freie Entwicklung und Entfaltung der Kinder. Sie sollen frei von starren Zwängen eigene Entscheidungen treffen und ihren Wünschen und Bedürfnissen nachgehen können.

Das damit verbundene Ziel ist es, die Kreativität, das Selbstbewusstsein und das Selbstvertrauen der Kinder zu stärken.

Dabei verzichten Eltern in der Erziehung weitestgehend auf Regeln und Grenzen, die die Kinder in ihrer Selbstverwirklichung einschränken. Stattdessen setzen sie auf die Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit ihrer Kinder.

Doch auch im Rahmen der antiautoritären Erziehung dürfen Regeln und Grenzen nicht gänzlich fehlen. Sie sind sogar notwendig, sollten jedoch klar definiert und jedem bekannt sein, vor allem auch den Kindern.

Tipp: Setzen Sie sich mit ihren Kindern zusammen und besprechen Sie mögliche Regeln gemeinsam. So fühlen sich die Kinder nicht ausgeschlossen und bekommen nicht das Gefühl, die Regeln wären völlig willkürlich festgelegt.

Das Beispiel Summerhill

Summerhill, ein Internat in Leiston in der Grafschaft Suffolk in England, wurde im Jahr 1921 von dem Pädagogen Alexander Sutherland Neill gegründet.

Die Schule wurde zunächst in Deutschland eröffnet. Anschließend zog sie nach Österreich und schließlich nach England. Obwohl es sich um eine demokratische Schule handelt, wird sie oft in Verbindung mit der antiautoritären Erziehung genannt.

Den Schülern in Summerhill wird viel Freiheit gewährt. Der Unterrichtsbesuch ist freiwillig und die Schüler werden in sämtliche Entscheidungen mit einbezogen.

Ganz wird aber nicht auf Regeln verzichtet. Jedoch sind die Schüler direkt an der Aufstellung der Regeln und auf an ihrer Abschaffung beteiligt. Dabei besitzen sie die gleichen Rechte wie die Lehrer.

Antiautoritäre Erziehung – Die wichtigsten Merkmale

Das wohl wichtigste Merkmal der antiautoritären Erziehung ist, dass sich die Kinder frei entwickeln und entfalten können. Doch das ist nicht alles.

Weitere wichtige Merkmale:

  • Die Kinder werden von ihren Eltern zu nichts gezwungen
  • Eltern und Kinder begegnen sich auf Augenhöhe
  • Die Eltern respektieren die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder
  • Die Kinder treffen eigene Entscheidungen und übernehmen Verantwortung

Heute gibt es die antiautoritäre Erziehung in ihrer reinen Form kaum noch. Sie hat jedoch einige der modernen Erziehungsstile geprägt. Vor allem der sogenannte demokratische Erziehungsstil bedient sich vieler Elemente der antiautoritären Erziehung.

Die antiautoritäre Erziehung: Ihre Vorteile, Nachteile und Folgen

Wie andere Erziehungsstile und -konzepte hat natürlich auch die antiautoritäre Erziehung ihre ganz eigenen Vor- und Nachteile. Diese wiederum sind mit entsprechenden Folgen verbunden.

Für einen groben Überblick haben wir die Vor- und Nachteile zunächst übersichtlich zusammengefasst:

Vorteile

Antiautoritär erzogene Kinder…

  • … können sich völlig frei entfalten
  • … lernen schon früh, Verantwortung zu übernehmen
  • … fühlen sich ernstgenommen
  • … entwickeln schon früh eine eigene Persönlichkeit

Nachteile

Antiautoritär erzogene Kinder…

  • … handeln größtenteils nach dem Lustprinzip
  • … tun sich schwer damit, sich unterzuordnen
  • … haben Probleme mit ihrem Sozialverhalten
  • … neigen oft zu Egoismus

Die Vorteile und ihre Folgen

1. Antiautoritär erzogene Kinder können sich völlig frei entfalten

Die freie Entfaltung im Rahmen der antiautoritären Erziehung erlaubt es Kindern, viele unterschiedliche Dinge auszuprobieren und eigene Ideen zu entwickeln.

Das gibt ihnen die Möglichkeit, schon früh herauszufinden was ihnen Spaß macht und wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Dieses Wissen wiederum kann ihnen in ihrem zukünftigen Leben nützlich werden.

Darüber hinaus kann gerade das Entwickeln eigener Ideen die Kreativität fördern.

2. Antiautoritär erzogene Kinder lernen schon früh, Verantwortung zu übernehmen

Dadurch, dass die Kinder ihre eigenen Entscheidungen treffen, übernehmen sie schon in jungen Jahren Verantwortung. Sie lernen außerdem, dass ihr Handeln Konsequenzen hat – positive wie negative.

3. Antiautoritär erzogene Kinder fühlen sich ernstgenommen

Im Rahmen der antiautoritären Erziehung begegnen sich Kinder und Erwachsene stets auf Augenhöhe. Das führt dazu, dass sich die Kinder von Anfang an ernst genommen fühlen.

Es wird außerdem viel miteinander gesprochen. Im Dialog mit dem Kind machen die Eltern Vorschläge oder bieten Alternativen an.

Im späteren Leben haben antiautoritär erzogene Kinder daher oft ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten. Das kann ihnen sowohl im Beruf als auch im Umgang mit sozialen Kontakten helfen.

4. Antiautoritär erzogene Kinder entwickeln schon früh eine eigene Persönlichkeit

Im Grunde werden die Kinder von Anfang an wie Erwachsene behandelt. Sie dürfen eigene Entscheidungen treffen, bei der Ausarbeitung von Regeln helfen und sich frei von Zwängen ausprobieren.

Letztendlich führt das dazu, dass die Kinder schon früh eine ganz eigene Persönlichkeit entwickeln.

Kind mit farbverschmierten Händen

Die Nachteile und ihre Folgen

1. Antiautoritär erzogene Kinder handeln größtenteils nach dem Lustprinzip

Ein Problem, das die völlige Entscheidungsfreiheit unter Umständen mit sich bringt, ist das Vernachlässigen von Pflichten. Kinder, die antiautoritär erzogen werden, handeln nämlich vor allem nach dem sogenannten Lustprinzip.

Sie tun also nur das, worauf sie gerade Lust haben. Wenn sie etwas nicht machen wollen, dann machen sie es auch nicht.

Das kann die Pflichten zu Hause betreffen, wie das Aufräumen des eigenen Zimmers. Es kann sich aber auch auf andere Bereiche ausweiten. So werden Pflichten wie Hausaufgaben und andere Schularbeiten einfach liegen gelassen.

2. Antiautoritär erzogene Kinder tun sich schwer damit, sich unterzuordnen

Oft haben antiautoritär erzogene Kinder Schwierigkeiten damit, sich unterzuordnen. In der Schule und auch später im Beruf ist es jedoch häufig zwingend erforderlich, sich an vorgegebene Hierarchien zu halten.

Damit einhergehend ist das fehlende Verständnis für das Einhalten von Regeln und Grenzen, die in bestimmten Situationen von Außenstehenden festgelegt wurden.

Von zu Hause kennen die Kinder das nicht oder kaum. So fällt es ihnen mitunter schwer, anderswo – in der Schule, auf der Arbeit oder im Rahmen von Hobbys – Regeln zu befolgen und allgemein zu akzeptieren.

3. Antiautoritär erzogene Kinder haben Probleme mit ihrem Sozialverhalten

Kinder, die antiautoritär erzogen werden, sind es gewohnt, vor allem ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu befriedigen. In Situationen, in denen weitere Kinder involviert sind, kann das zu Problemen führen.

Den Kindern fällt es unter Umständen schwer, Rücksicht auf andere zu nehmen. Darüber hinaus haben sie oft das Bedürfnis, im Mittelpunkt zu stehen. Sollte das einmal nicht der Fall sein, reagieren sie mitunter schnell impulsiv.

Das erschwert ihnen das Knüpfen neuer sozialer Kontakte und den allgemeinen Umgang mit anderen Menschen.

4. Antiautoritär erzogene Kinder neigen oft zu Egoismus

Da die Kinder zu Hause für gewöhnlich im Mittelpunkt stehen, führt unter Umständen dazu, dass sie egoistische Züge ausbilden. Das heißt, dass sie vor allem auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind und die Wünsche anderer für weniger wichtig erachten.

Wütendes Kind

Fazit

Die antiautoritäre Erziehung wird oft mit schlecht oder gar nicht erzogenen Kindern in Verbindung gebracht. In der Realität sieht das jedoch ganz anders aus. Dabei kommt es aber vor allem darauf an, wie man die antiautoritäre Erziehung umsetzte.

Wenn man nicht gänzlich auf Regeln, Grenzen und Strukturen verzichtet, hat die antiautoritäre Erziehung durchaus ihre Vorteile. Die Kinder können sich frei entwickeln und lernen schon früh, Verantwortung zu übernehmen.

Vor allem ohne Regeln kann die antiautoritäre Erziehung jedoch durchaus auch Nachteile mit sich bringen. Diese widersprechen sich dann auch durchaus den möglichen Vorteilen.

Bei der Entscheidung für einen Erziehungsstil sollten Vor- und Nachteile gründlich gegeneinander abgewägt werden. Ob sich die antiautoritäre Erziehung letztendlich tatsächlich eignet, müssen die Eltern für sich entscheiden.

FAQ

1. Welche Erziehungsstile gibt es?

Grundsätzlich werden einem vor allem folgende acht Erziehungsstile begegnen: antiautoritär, autoritär, autokratisch, autoritativ, demokratisch, egalitär, permissiv, laissez-faire. Hin und wieder ist eventuell auch von einem neunten Erziehungsstil die Rede: negierend.

2. Was ist die antiautoritäre Erziehung?

Die antiautoritäre Erziehung setzt auf die völlig freie Entwicklung der Kinder. Sie dürfen Entscheidungen selbst treffen und sind größtenteils frei von Zwängen.

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Haben Sie noch Fragen zu der antiautoritären Erziehung? Hinterlassen Sie uns gerne einen Kommentar!

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