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Reimschema in Sekundenschnelle erkennen und analysieren

Das Reimschema zu bestimmten ist ein wichtiger Teil jeder Gedichtanalyse. Bei uns erfährst du in der folgenden Zusammenfassung, welche verschiedenen Reimschemata es gibt und wie du sie in wenigen Sekunden mühelos erkennen kannst!

Reiner Reim

Reine Reime sind Wörter, die nach dem letzten betonten Vokal gleich klingen.

Beispiel:
Kuss – Schluss
Hose – Dose
Wurm – Sturm

Unreiner Reim

Bei einem unreinen Reim klingen die Reimwörter ähnlich, haben aber keinen identischen Klang.

Beispiel:
Freude – Beute
Lieben – siegen
Fäden – Kleben

Reimschema – Strophen und Verse

Eine Strophe besteht aus einer bestimmten Anzahl von Zeilen. Diese Zeilen werden Verse genannt. Im Deutschen ist der Vierzeiler die häufigste Strophenform bei Gedichten (rund 50 %). Nur 4,1 % der Strophen bestehen aus  sechs Zeilen oder mehr:

  • Zwei Zeilen
  • Drei Zeilen
  • Vier Zeilen
  • Fünf Zeilen
  • Sechs Zeilen und mehr

Reimschema erkennen

Das Reimschema kannst du ganz simpel bestimmen. Sieh dir einfach die letzten Worte der Verse eines Gedichts an und schau, welche Wörter sich reimen.
Kennzeichne sich reimende Verse mit demselben Buchstaben:

Füllest wieder Busch und Tal (a)
Still mit Nebelglanz (b)
Lösest endlich auch einmal (a)
Meine Seele ganz. (b)

(Aus: “An den Mond” – Johann Wolfang von Goethe)

Nicht jedes Gedicht hat ein durchgängiges Reimschema! Bestimme daher immer für jede einzelne Strophe das Reimschema.

Doch welche verschiedenen Reimschemata gibt es überhaupt? Das erfährst du in den nächsten Abschnitten.

Reimschema-Arten

Es gibt unterschiedliche Reimschemata, die du für eine Gedicht analyse kennen solltest. Dazu zählen:

  • Paarreim
  • Kreuzreim
  • Umarmender Reim
  • Schweifreim
  • Verschränkter Reim
  • Haufenreim
  • Kettenreim/Terzinenreim

Am häufigsten

sind Paar- &

Kreuzreim.

Wir erklären dir in den nächsten Kapiteln, welches Muster die einzelnen Reimschemata besitzen.

Paarreim

Ein sehr gängiges Reimschema ist der Paarreim. Er hat die Form aabb, es reimen sich also zwei aufeinanderfolgende Verse.

Beispiel:

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? (a)
Es ist der Vater mit seinem Kind; (a)
Er hat den Knaben wohl im Arm, (b)
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm. (b)  

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? – (c)
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht? (c)
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? – (d)
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. – (d)

(Aus: “Erlkönig” – Johann Wolfgang von Goethe)

Kreuzreim

Auch der Kreuzreim ist häufig in Gedichten und Liedern zu finden. Er liegt vor, wenn sich der 1. und 3. Vers sowie der 2. und 4.Vers einer Strophe reimen, sein Reimmuster ist also abab.

Beispiel:

Das Fräulein stand am Meere (a)
Und seufzte lang und bang, (b)
Es rührte sie so sehre (a)
Der Sonnenuntergang. (b)

“Mein Fräulein! Sein Sie munter, (c)
Das ist ein altes Stück; (d)
Hier vorne geht sie unter (c)
Und kehrt von hinten zurück.” (d)

(“Das Fräulein stand am Meere” – Heinrich Heine)

Umarmender Reim

Von einem umarmenden Reim spricht man, wenn der äußere Reim den inneren Reim „umarmt“. Er wird manchmal auch als umschließender Reim oder umfassender Reim bezeichnet. Es reimen sich der 1. und 4. Vers sowie der 2. und 3 Vers einer Strophe. Die Reimfolge ist also: abba.

Beispiel:

Frühling läßt sein blaues Band (a)
Wieder flattern durch die Lüfte; (b)
Süße, wohlbekannte Düfte (b)
Streifen ahnungsvoll das Land. (a)

(Aus “Er ist’s” – Eduard Mörike)

Schweifreim

Der Schweifreim besteht immer aus 6 Versen, ist also sechszeilig. Es reimen sich der 1. und 2. Vers, der 3. und der 6 Vers sowie der 4. und der 5. Vers: : aabccb Der Schweifreim ist also eine Kombination aus einem Paarreim (aa) und einem umarmenden Reim (bccb).

Beispiel:

Ja, ich weiß, woher ich stamme, (a)
Ungesättigt gleich der Flamme (a)
Glühe und verzehr’ ich mich. (b)
Licht wird alles was ich fasse, (c)
Kohle alles, was ich lasse, (c)
Flamme bin ich sicherlich. (b)

(“Ecce homo” – Friedrich Nietzsche)

Verschränkter Reim

Der verschränkte Reim ist seltener in Gedichten zu finden. Er hat die Form abcabc, es reimen sich demnach drei aufeinanderfolgende Verse auf die nächsten drei Verse.

Beispiel:

Der Tag ist karg an liebesüßen Wonnen, (a)
Es schmerzt mich seines Lichtes eitles Prangen (b)
Und mich verzehren seiner Sonne Gluthen. (c)
Drum birg dich Aug‘ dem Glanze ird’scher Sonnen! (a)
Hüll‘ dich in Nacht, sie stillet dein Verlangen (b)
Und heilt den Schmerz, wie Lethes kühle Fluten. (c)

(Aus: “Der Kuß im Traume” – Karoline von Günderode)

Der verschränkte Reim kann auch aus mehreren Reimpaaren bestehen, also z.B. die Form abcd abcd haben.

Ein verschränkter Reim kann sich auch über zwei Strophen erstrecken:

Mag auch die Spieglung im Teich (a)
oft uns verschwimmen: (b)
Wisse das Bild. (c)

Erst in dem Doppelbereich. (a)
Werden die Stimmen (b)
ewig und mild. (c)

(Aus: “XI. Sonnett” – Rainer Maria Rilke)

Haufenreim

Bei einem Haufenreim reimen sich alle Verse innerhalb einer Strophe. Der Reim hat also die Form aaaa.

Beispiel:

Einsam steht ein alter Baum (a)
seine langen Äste krümmen sich im Raum (a)
seine grünen Blätter bilden einen wunderbaren Saum (a)
unter ihm zu stehen ist ein wahrer Traum. (a)

Kettenreim

Der Kettenreim wird auch Terzinenreim genannt. Er wird aus mehreren Strophen mit jeweils drei Versen gebildet und folgt dem Muster aba bcb cdc. Der mittlere Vers einer Strophe reimt sich auf den 1. und 3. Reim der folgenden Strophe.

Beispiel:

Im ernsten Beinhaus war’s, wo ich beschaute, (a)
Wie Schädel Schädeln angeordnet paßten; (b)
Die alte Zeit gedacht ich, die ergraute. (a)

Sie stehn in Reih geklemmt, die sonst sich haßten, (b)
Und derbe Knochen, die sich tödlich schlugen, (c)
Sie liegen kreuzweis, zahm allhier zu rasten. (b)

Entrenkte Schulterblätter! was sie trugen, (c)
Fragt niemand mehr, und zierlich tät’ge Glieder, (d)
Die Hand, der Fuß, zerstreut aus Lebensfugen. (c)

(Aus: “Bei Betrachtung von Schillers Schädel” – Johann Wolfgang von Goethe)

Weitere Reimarten

  • Waise: Ein Vers steht für sich alleine und besitzt keinen Reimpartner
  • Binnenreim: Reime stehen im Versinnern.
  • Schlagreim: Zwei aufeinanderfolgende Wörter reimen sich
  • Anfangsreim: Die Anfangswörter zweier Verse reimen sich.

Reimschema – Diese Funktionen hat es

Das Reimschema verleiht dem Gedicht oder Lied einen spezifischen Rhythmus und macht es einprägsam. Mit ihm kann eine bestimmte Grundhaltung ausgedrückt werden, z.B. betrübt, traurig, ernst, fröhlich oder ausgelassen. Mit einem Reimschema wird das Gedicht außerdem strukturiert. Der Verfasser kann mit ihm einzelne Verse und Strophen voneinander abgrenzen.

Frage dich bei deiner Analyse, wie das Reimschema zum Inhalt und der Botschaft des Gedichts passt. Auch wenn ein Gedicht kein Reimschema besitzt, solltest du dies unbedingt erwähnen!

Reimschemata: Übersicht

Paarreim: aabb
Kreuzreim: abab
Umarmender Reim: abba
Schweifreim: aabccb
Verschränkter Reim: abcabc oder abc abc oder abcdabcd…
Haufenreim: aaaa
Kettenreim/Terzinenreim: aba bcb cdc

Reimschemata

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Wenn du dir gerade das Reimschema anschaust, steckst du vielleicht gerade mitten in einer Gedichtsanalyse. Unseren Artikel dazu findest du hier. Vielleicht helfen dir ja auch Artikel zum Thema Personen beschreiben oder Weimarer Klassik.

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5 Kommentare zu „Reimschema in Sekundenschnelle erkennen und analysieren“

    1. Ann-Kathrin Noé

      Hallo Daniela, danke für dein Feedback 🙂 Das Reimschema bei den Refrainstrophen beim Zauberlehrling ist wirklich ungewöhnlich. Bei a-b-b-c-a-c handelt es sich ein Gebilde aus einem umarmenden Reim, einem Paarreim und einem Kreuzreim.

  1. Wunderbar und verständlich erklärt.
    Eine Frage nur: Wie nennt man den Reim
    a/b/a/a/b
    Ich liebe diese Art in fünf Zeilen zu reimen.
    Ich danke euch.

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