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Imperialismus: Bedeutung und verschiedene Länder einfach erklärt

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Was bedeutet eigentlich “Imperialismus”? Ist es das gleiche wie “Kolonialismus”? Und warum wird das bis heute noch diskutiert? Die Antworten auf diese Fragen findest du hier.

Fangen wir an:

Imperialismus Definition

Als Imperialismus bezeichnet man die Anstrengungen von Staaten, den Einfluss über das eigene Gebiet hinaus auszuweiten. Oft bezeichnet man damit den Zeitraum von 1880 bis 1912, in dem verschiedene, vor allem europäische, Großmächte weite Teile der Welt beherrschen. Die größte imperialistische Macht war Großbritannien, aber auch Frankreich, Italien, Deutschland und die USA hatten alle imperialistische Bestrebungen.

Das Wort Imperialismus selber kommt vom lateinischen Wort „imperium“, was wörtlich soviel wie „Macht“ bedeutet, aber auch mit „Reich“ übersetzt werden kann. Die Römer selbst nannten ihr Reich das „imperium romanum“.

Ein Begriff, den man vom Imperialismus abgrenzen muss, ist der “Kolonialismus”. Dieser bezeichnet die Unterdrückung eines ansässigen Volkes in einer Fremdherrschaft. Viele imperialistische Mächte waren auch gleichzeitig Kolonialmächte, jedoch gehören die beiden Dinge nicht zwangsweise zueinander.

Historischer Kontext des Imperialismus

Zu der Zeit, in der der Imperialismus meistens angesiedelt wird, dominierte der Westen die Welt. Doch wie kam es dazu?

Imperialismus der Großmächte

Die wichtigste Voraussetzung war dafür, dass die westlichen Mächte sich gegenseitig erst einmal in Ruhe ließen. Es dürfte zu keinem Konflikt zwischen Großmächten kommen.

Großmächte nannte man damals die europäischen Staaten Großbritannien, Frankreich, Russland, Österreich und Preußen. Die USA zählte man nach Ende ihres Bürgerkriegs in den 1860ern dazu, und kurz vor der Hochzeit des Imperialismus, im Jahr 1971, vereinigte Preußen die anderen deutschen Staaten unter sich und wurde so zum deutschen Kaiserreich. Auch Japan etablierte sich mit seinem raschen Sieg im russisch-japanischen Krieg von 1905 als Großmacht.

Frieden in Europa

Doch warum kam es zum Frieden zwischen all diesen Mächten? Die Antwort dafür findet sich zum Beginn des 19 Jahrhunderts: von 1792 – 1815 tobten in Europa die Kriege der französischen Revolution und Napoleons, bei denen unzählige Menschen ihr Leben verloren. Danach kamen alle Großmächte beim Wiener Kongress zusammen, und beschlossen, eine Ordnung in Europa aufzubauen, in der keine Kriege wieder so ausarten würden. Man nannte diesen Zustand auch das europäische Konzert. Er sollte 99 Jahre andauern

Wegen des Friedens in Europa konnten sich die europäischen Großmächte dem Rest der Welt zuwenden und ihre bisher bestehen Kolonien ausbauen oder sich neue erschließen.

Es gab doch kleinere Kriege in Europa selber (zum Beispiel die deutschen Einigungskriege) aber keine dieser Konflikte wurde zu dem weltumspannenden Krieg, der er hätte werden können. Dieser kam erst in Form des ersten Weltkrieges.

Verschiedene Länder im Imperialismus

Großbritanniens Imperialismus

Kaum ein Land steht so sehr für den Imperialismus wie das British Empire, über dem „die Sonne nie unterging“. In seiner größten Ausdehnung umfasste das British Empire ein Viertel der gesamten Erdfläche und war damit das größte Reich der Geschichte, noch vor den Mongolen. Es umfasste Kolonien in Amerika, Afrika, Asien und Australien. Durchschnittlich feiert ein Land alle sieben Tage die Unabhängigkeit von Großbritannien.

eine Karte des British Empire, recht: schwarze Arbeiter in Jamaika
eine Karte des British Empire, recht: schwarze Arbeiter in Jamaika

Die vermutlich bekannteste Kolonie war die Kronkolonie Indien. Queen Victoria, die lange Zeit das britische Empire regierte, trug so zugleich den Titel der Kaiserin von Indien. Andere bekannte Kolonien waren Ägypten, Südafrika sowie Canada und Hongkong.

Die Briten führten zahlreiche Kriege gegen einheimische Völker, wie zum Beispiel die Zulu in Afrika, aber auch die Buren, die Nachfahren niederländischer Siedler in Südafrika.

Die komischsten dieser Kriege des Empires waren wahrscheinlich die Opiumkriege. Diese führten die Briten gegen die chinesische Qing-Dynastie, da sie den Chinesen Drogen verkaufen wollten, um sich so Geld für – unter anderem – ihren Tee zu besorgen. Manche Kapitel der Geschichte kann man sich nicht ausdenken…

Frankreichs Imperialismus

Die Franzosen bauten sich ihr Kolonialreich etwa gleichzeitig mit den Briten auf, so besaßen sie die französischen Teile von Kanada und diverse Inseln in der Karibik, zum Beispiel Haiti. Aggressiv imperialistisch waren sie auch sehr stark in Europa, unter Napoleon. Napoleons französisches Kaiserreich kontrollierte zu seiner Hochzeit ganz Europa, mit Ausnahme von Großbritannien, Portugal und Russland.

Die Franzosen mussten ihre nordamerikanischen Kolonien in Kanada nach ihrer Niederlage im Siebenjährigen Krieg an die Briten abgeben. Ihr Kolonie in Louisiana verkauften sie später an die USA.

Imperialismus in der Übersee war in Frankreich stark unter Napoleons Neffen, dem weniger bekannten Napoleon III. So erweiterten sie ihre Kolonien in Afrika (die bekannteste davon ist vermutlich Algerien), Indochina (etwa das heutige Vietnam) und im Pazifik.

Napoleon III. (rechts) verhandelt mit Otto von Bismarck seine Niederlage im deutsch-französischen Krieg
Napoleon III. (rechts) verhandelt mit Otto von Bismarck seine Niederlage im deutsch-französischen Krieg

Ein etwas kurioses Kapitel des französischen Imperilaismus war der Versuch von Napoleon III, einen österreichischen Prinzen zum Kaiser von Mexiko zu machen. Diese sogenannte französische Intervention schlug aber fehl.

Der mexikanische Nationalfeiertag am 5. Mai (spanisch: “Cinco de Mayo“) feiert den Sieg der Mexikaner über die französische Armee in der Schlacht von Puebla.

Doch auch als Frankreich nach der Abdankung Napoleons III. wieder zu einer Republik wurde, ging der Imperialismus nicht zurück. Im Gegensatz zu den Briten konzentrierten sich die Franzosen stark auf die sogenannte Assimilation, das bedeutet die Eingliederung der Einheimischen in die französische Kultur. Sie taten dies in einer etwas verdrehten Auslegung des Liberalismus.

Wenn du mehr über den Liberalismus erfahren willst, findest du hier unseren Artikel darüber

Viele Teile des ehemaligen französischen Kolonialreichs gehören heute sogar noch (nach verschiedenen Abstimmungen über ihre Unabhängigkeiten) zu Frankreich, zum Beispiel Französisch-Guyana in Südamerika oder Neukaledonien im Pazifik.

Seine längste gemeinsame Grenze hat Frankreich nicht etwa mit Deutschland oder Spanien, sondern durch Französisch-Guyana mit Brasilien.

Deutschlands Imperialismus

Deutschland begann erst relativ spät zu kolonialisieren, was damit zu tun hat, dass es erst ab 1871 überhaupt ein Deutschland gab. Die Franzosen, Briten und Spanier waren den Deutschen also einiges voraus, was die Kolonien anging. Die Deutschen mussten also aufholen, wenn sie auch noch einen„ Platz an der Sonne“, wie ein späterer Reichskanzler es nannte, zu sichern.

Mit einem Worte: wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne.

Bernhard von Bülow, Staatsekretär des Auswärtigen Amtes, 1897; drei Jahre später wurde er Reichskanzler

Die größten deutschen Kolonien lagen in Afrika, genauer gesagt im heutigen Tansania, Burundi, Mozambique, Kamerun, Togo und Namibia. Es gab auch Deutsch-Neuguinea in Ozeanien und andere kleinere Inselstützpunkte im Pazifik.

Ein von den Befürwortern deutscher Kolonien oft vorgebrachte Grund für die Gründung von Kolonien war das Unterbinden des arabischen Sklavenhandels in diesen Gebieten. Nachdem die Kolonien aber tatsächlich etabliert wurden, schlug diese Rhetorik schnell um: Nun hatte man Respekt vor “lokalen Bräuchen” und sprach beschönigend von der “Hörigkeit”.

Wie die meisten Kolonialreiche betrachteten die Deutschen die Einheimischen als „Kinder“, die man „erziehen“ musste. Aufstände gegen diese Herrschaft, wie beispielsweise von den Herero und Nama, wurden brutal niedergeschlagen.

Die Deutschen verloren ihre Kolonien nach dem Ersten Weltkrieg und viele Menschen kritisieren heute, dass die deutschen Kolonialverbrechen noch nicht richtig aufgearbeitet wurden.

US-Imperialismus

Seit ihrer Gründung wollten die USA beständig ihr Staatsgebiet erweitern. Später formulierten sie die sogenannte Monroe-Doktrin, wonach sie die Bestrebungen europäischer Großmächte in Lateinamerika unterbinden wollten. Natürlich aber nicht einfach nur aus gutem Willen: Die USA wollten selbst Großmacht in Amerika werden.

Der Imperialismus der USA zeigte sich vor allem in Amerika herum. Sie griffen viel in Kriege ein, unter anderem in den verschiedenen mexikanischen Bürgerkriegen, Revolutionen gegen Machthaber, aber auch wegen gierigen Firmen, die auf Geld aus waren.

Etwas unerwartet spielten hierbei Bananenfirmen eine wichtige Rolle. So wurde in Honduras eine Reihe von Machthaber eingesetzt, damit die United Fruit Company (heute: Chiqita) weiterhin billig Bananen anbauen konnte.

Vielleicht hast du schon einmal den Begriff „Bananenrepublik“ gehört, für einen Staat, der sehr ungerecht regiert wird. Er kommt aus dieser Zeit.

Japans Imperialismus

Nachdem sie sich im Schnelldurchlauf modernisiert und industrialisiert hatten, machten sich die Japaner rapide daran, sich eigene Kolonien aufzubauen. Schnell besetzen sie Korea, eine historische Bestrebungen der Japaner, und erweiterten dann ihre Kolonien in China. Die Japaner waren dabei ähnlich, oder vielleicht sogar noch brutaler und genauso rassistisch wie alle anderen Kolonialherren. Sie verloren ihre Kolonien erst mit dem Zweiten Weltkrieg.

Leben in den Kolonien

Das Leben in den Kolonien war vor allem bestimmt durch die Unterdrückung der Einheimischen. Je nach Ort und genauen Kolonialherr konnte das allerdings in unterschiedlichen Formen ablaufen:

Zu Beginn der Imperialismus’ wurde in vielen Kolonien Sklaverei praktiziert. Im sogenannten Dreieckshandel  importierte man afrikanische Sklaven zum Abbau von Rohstoffen in (meist) amerikanische Kolonien, um die Rohstoffe dann zu verarbeiten. Nach und nach wurde die Sklaverei bzw. der Sklavenhandel aber verboten (von den Briten 1833, von den Franzosen 1848, in den USA 1865), aber die Unterdrückung der Einheimischen und nun teilweise eingeführten freien Schwarzen ging weiter.

Die Briten mischten sich zum Beispiel kaum in Indien ein und spielten verschiedene regionale Mächte gegeneinander aus, entzogen dem Land aber fleißig verschiedene Rohstoffe und Ressourcen. Die Briten betrieben damit eine große Industrie, die sie sich durch die Industrialisierung aufgebaut hatten.

Hier kannst du mehr über die Industrialisierung nachlesen.

Die Franzosen hingegen bemühten sich um die kulturelle Eingliederung der Einheimischen und unterdrückten deswegen verschiedene heimische Kulturen, um stattdessen die französische zu verbreiten.

Die Deutschen bauten eine rassistische Gesellschaftsordnung auf, wie es viele Kolonialherren taten, die weiße Europäer deutlich den Einheimischen vorzog. Auch wurden viele Kunstgegenstände im Namen der Wissenschaft geraubt und nach Deutschland gebracht.

(v. l.) Eine Briefmarke aus dem kolonialen Australien, Sklaven aus Afrika erreichen die Karibik, eine Maori-Siedlung in Neu-Seeland (unter britischer Herrschaft), eine Karte der Kolonie Virginia
(v. l.) Eine Briefmarke aus dem kolonialen Australien, Sklaven aus Afrika erreichen die Karibik, eine Maori-Siedlung in Neu-Seeland (unter britischer Herrschaft), eine Karte der Kolonie Virginia

Diese schlechte Behandlung der Einheimischen wurde auch von vielen Menschen kritisiert, auch von Menschen im Westen.

Denen, die glauben das wunderliche Produkt, das man französische Zivilisation nennt, bedeute einen Fortschritt gegenüber der Zivilisation Neuguineas und solcher Länder, wird die Einverleibung Madagaskar berechtigt erscheinen, weil man dort jetzt die französische Kultur einführt.

Mark Twain, US-amerikanischer Autor

Auch gebildete Einheimische kritisierten die Kolonialherren. Ein Angehöriger der Annamesen (Vietnamesen) schrieb an seine französischen Kolonialherren:

Unter ihrer Statthalterschaft ist das annamesische Volk zu echtem Wohlstand und wirklichen Glück gelangt, dem Glück, sein ganzes Land mit einer wachsenden Zahl von Schnaps- und Opiumläden übersäht zu sehen, die, zusammen mit den Erschießungskommandos [ …] die Annamnesen zu […] den glücklichsten aller Sterblichen machen.

Nguyen Sinh Cung, besser bekannt als „Ho Chi Minh“, in einem Brief 1922

In gewisser Weise hat der Kolonialismus aber auch positive Folgen: Es wurde massiv die Infrastruktur aufgebaut, sowie medizinischer und technologischer Fortschritt vorangetrieben, nicht nur für die Kolonialherren. Viele Entdeckungen der modernen Medizin gehen zurück auf die Ärzte der Kolonialmächte, die Tropenkrankheiten erforschten, so zum Beispiel die Entdeckung verschiedene Krankheitserreger. Auch die Lebenserwartungen der Einheimischen stiegen in den meisten Kolonien rapide an.

Doch auch dieser medizinische Fortschritt fand seine Kritiker unter den Gegnern des Imperialismus:

Es gibt neue Krankheiten, von denen die Menschen früher nichts geahnt haben, und eine ganze Armee von Ärzten ist damit beschäftigt, Heilmittel für diese Krankheiten zu finden, und so vermehren sie die Krankenhäuser. Dies ist der Maßstab für die Zivilisation… […] sie muss unbedingt gestoppt werden.

Mahatma Gandhi, indischer Unabhängikeitsaktivist

(v.l.) Mark Twain, Ho Chi Minh und Mahatma Ghandhi
(v.l.) Mark Twain, Ho Chi Minh und Mahatma Ghandhi

Folgen des Imperialismus’

Es greift vermutlich zu kurz, zu sagen dass der Imperialismus nur schlecht oder nur gut war.

Für viele Leute hatte er schlechte Folgen, gerade zu seinem Ende wurden viele Landesgrenzen ziemlich willkürlich und rücksichtslos gezogen, weswegen heute noch Spannungen und Gewalt in gewissen Gebieten herrschen, so zum Beispiel zwischen Indien und Pakistan, in Zentralafrika oder Afghanistan und seinen Nachbarn.

Andere ehemalige Kolonien gehören aber noch zu ihren ehemaligen Kolonialherren, wie die französischen Überseegebiete oder Gibraltar, das noch zu Großbritannien gehört. Diese Gebiete entschieden sich in Volksabstimmungen dazu, Teil ihrer ehemaligen Kolonialherren zu bleiben.

Großbritannien kämpfte sogar noch in den Achtzigern gegen Argentinien, als diese versuchten, das britische Überseegebiet der Falkland-Inseln, zu erobern. Auch die USA haben noch Überseegebiete, so zum Beispiel Puerto Rico oder Amerikanisch-Samoa.

Eine weitere große Diskussion beschäftigt sich mit der Rückgabe von gestohlenen Kulturgütern, wie zum Beispiel Kunst. In verschiedenen Kreisen wird das bis heute noch heiß diskutiert, wobei Spannungen unter verschiedenen Volksgruppen diese Verhandlungen erschweren. Wenn drei Gruppen behaupten, das gleiche Stück einmal zu haben, wer hat dann recht?

Die wichtigsten Fragen zum Imperialismus

Was ist Imperialismus?

Imperialismus allgemein ist der Versuch von Staaten, Einfluss außerhalb ihres Staatsgebietes auszuüben. Im historischen Kontext meint man damit die Zeit von 1880 bin 1912, in der die westlichen Großmächte weite Teile der Welt kontrollierten und kolonialisierten.

Was passierte im Imperialismus?

In erster Linie wurden schwächere Völker und Staaten von stärkeren ausgebeutet, nur auch einer noch nie da gewesenen Größenordnung. Mancherorts wurde Sklaverei praktiziert, die Kulturen der Eingeboren unterdrückt und es wurde rassistisch diskriminiert.

Allerdings verbreiteten sich so auch technologische und vor Allem medizinische Neuerungen vom Westen aus in die Welt. In nahezu allen Kolonien stieg die Lebenserwartung rasant an.

Welche Folgen hat der Imperialismus?

Es gibt viele Folgen, wie zu Beispiel, dass ein Teil von Südamerika zu Frankreich gehört, dass Russland sowohl an Norwegen, also auch an Nordkorea grenzt oder dass man in Namibia Schwarzwälder Kirschtorte essen kann. Viele Staaten besitzen heute noch die Grenzen, die ihnen ehemalige Kolonialmächte aufzwangen, wodurch sich viele Spannungen zwischen durch diese Grenzen geteilte Volksgruppen ergeben. Auch finden sich in vielen westlichen Museen geraubte Kunst aus ehemaligen Kolonien.

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