Interpretation

Interpretation schreiben – Aufbau und Interpretationshypothese

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Blickst du bei einer Interpretation gar nicht durch? Kommst du einfach nicht darauf, was der Autor dir sagen will!? Und was ist eigentlich eine Interpretationshypothese? In diesem Artikel findest du alle wichtigen Antworten darauf. Dann reden wir gar nicht lange drum herum:

Aufbau einer Interpretation

Was genau in eine Interpretation alles hereinkommt, hängt natürlich auch ein bisschen davon ab, was denn jetzt genau interpretiert werden soll. Man interpretiert ein Drama anders als ein Gedicht, und eine Kurzgeschichte anders als nur ein Kapitel aus einem Roman. Ein paar Sachen sind allerdings immer gleich:

Bevor du schreibst: Text lesen & Interpretationshypothese aufstellen

Bevor du überhaupt anfängst, deine Interpretation zu schreiben, musst du dir zuerst natürlich den Text richtig durchlesen. Ein guter Trick ist es, sich dabei wichtige Sachen schon anzustreichen.

Doch was ist wichtig?

Beim Lesen, oder vielleicht auch schon vorher, solltest du dir überlegen, was für dich die Kernaussage des Textes ist. Ein guter Trick ist es, verschiedene Epochen Und Autoren im Kopf zu haben. So kannst du einen Text schnell größere Motive zuordnen (zum Beispiel geht es dir in der Romantik viel um Gefühle oder Wanderschaft, oder in der Klassik viel um Tugendhaftigkeit). Hier findest du  einen Überblick über die Literatur-Epochen

Aus diesem Thema musst du dann eine Interpretationshypothese formulieren. Die könnte zum Beispiel sein:

“In seinem Gedicht X stellt der Autor Y das Thema Z mit verschiedenen Stilmitteln dar”.

Was genau diese Hypothese ist, wird von dir festgelegt. Natürlich kannst du jetzt nicht einfach sagen, dass es im Faust um drei tanzende Pinguine geht. Aber aus den Dingen, die du findest, kannst du dir das aussuchen, mit dem du am besten klarkommst.

Du musst argumentieren, wieso man diesen Text so lesen kann.  Es ist also wichtig, dass du selber davon überzeugt bist.

Dann musst du Belege für diese Hypothese finden. Am wichtigsten sind natürlich die, die du direkt auf die Hypothese beziehen kannst. Aber auch andere besondere Stellen kannst du vielleicht mit der Hypothese in Verbindung bringen.

Andere Dinge, mit denen du argumentieren kannst und kannst, sind die Epoche, der du den Text zuordnest, Dinge, an die du dich noch vom Autor erinnern kannst und, wenn es ein Teil eines größeren Text ist, was sonst noch im Text passiert.

Ein guter Tipp ist: Streich dir alles wichtige an! 

Tipp: Nimm für unterschiedliche Stilmittel unterschiedliche Farben
Tipp: Nimm für unterschiedliche Stilmittel unterschiedliche Farben

Je nach Aufgabenstellung wirst du dann noch einen Schreiplan erstellen müssen. Wenn du damit fertig bist, kannst du mit der richtigen Interpretation loslegen.

Einleitung einer Interpretation

Eine Einleitung ist eine kurze Hinführung an das Thema. Das Thema ist in diesem Fall deine Interpretationshypothese. Wenn du jetzt also zum Beispiel sagst, in dieser Szene geht es um den Konflikt zwischen Pflicht und Gefühlen, musst du dazu irgendeinen Bezug herstellen.

Das können verschiedene aktuelle Nachrichten sein, vielleicht kennst du noch einen anderen Text, der das gleiche Thema behandelt, vielleicht fällt dir noch irgendetwas zur Epoche ein… Wie genau du hinleitest, bleibt dir überlassen. Wichtig ist, dass du das Thema relevant erschienen lässt.

Zum Beispiel:

In der heutigen Zeit hegen viele Menschen den Wunsch, aus ihrem aktuellen Leben auszubrechen, sich neu zu erfinden oder jemand ganz anderes zu sein. Doch auch schon vor über 200 Jahren beschrieb Goethe in seinem Drama Faust, wie…

Textzusammenfassung

Als nächstes musst du kurz beschreiben, was im Text passiert. Das kann ziemlich einfach sein, wenn du einen belletristischen Text hast (also einen Roman oder eine Kurzgeschichte). Auch eine Dramenszene kann relativ einfach zusammenzufassen sein. Bei Gedichten kann es etwas kürzer werden, das ist aber kein Problem, da Gedichte selber ja auch kürzere Texte sind.

Wichtig ist, da hast du in der Zusammenfassung nicht einfach alles wörtlich so hinschreibst wie es im Text steht, sondern ihn wirklich zusammenfasst. Einfach für deine Zusammenfassung kannst du dich an den 5 Ws orientieren: Wer? Wann? Wo? Wie? Was?

Auch bei längeren Dialogen oder Beschreibungen, brauchst du nicht einfach alles hinzuschreiben, solche Ausführungen kommen dann eher in die Interpretation selber. Stell dir einfach vor jemand fragt dich, was in dieser Szene passiert ist.

Interpretation

Wichtig ist hier, dass du zunächst einmal deine Interpretationshypothese hinschreibst. Wenn du das getan hast, solltest du dich immer daran erinnern, was deine Hypothese ist. Während deiner Interpretation, ist es immer wichtig, sich auf die Hypothese zurückzubeziehen. So hat deine Interpretation einen roten Faden.

Doch womit kannst du deine Hypothese jetzt belegen?

Eigentlich mit allem, was irgendwie in der Szene im Text vorkommt: du kannst mit Rollenverhältnissen von Figuren argumentieren (zum Beispiel sind Väter oft ein größeres Symbol für Autoritäten), du kannst mit Stilmitteln argumentieren (zum Beispiel eine Alliteration, um etwas zu unterstreichen) oder natürlich auch einfach mit dem, was der Text  sagt. Das mag vielleicht etwas dämlich klingen, aber wenn ein Charakter sagt „Oh, ich bin so unglücklich…“, dann kann man wohl annehmen, dass es dem Charakter nicht besonders gut geht. Wichtig ist, dass du hierbei zitierst (also die Seite/Zeile oder Vers mit dazu schreibst).

Nehmen wir einmal an, wir analysieren eine Dramenszene und unsere Interpretationshypothese ist, dass die Zerrissenheit des Hauptcharakters in dieser Szene besonders hervorgehoben wird:

Zu Beginn der Szene hält der Protagonist einen Monolog über seine Unentschlossenheit: “Oh, ich fühl, als wäre ich zerrieben und zerquetscht zwischen zwei Felsen…” (Z. 1 f.).  Mit dieser Metapher will der  Autor die schwere des Dilemmas des Protagonisten verdeutlichen, die ein weiteres Mal mithilfe der Assonanz “zerrieben und zerquetscht” (Z.1 f.) unterstrichen wird.

Eine Interpretation ist keine Erörterung. Du musst also nur pro und nicht auch contra deiner Hypothese argumentieren.

Je nach Textsorte kann es unterschiedliche Stilmittel geben:

Lyrik

  • Reimschema (Stabreim, Kreuzreim etc.)
  • Kadenz (männlich/weiblich)
  • Versmaß (Jambus, Trochäus, Daktylus, Anapäst)
  • Lyrisches ich

Die Form des Versmaßes ergibt sich aus der Reihenfolge von betonten und unbetonten Silben. Es gibt betont-unbetont (Trochäus), unbetont-betont (Jambus), betont-unbetont-unbetont (Dakylus) und unbetont-unbetont-betont (Anapäst). Hier gibt man auch noch an, wie viele betonte Silben ein Vers hat. Das nennt man Hebung. Es gibt dann z. B. den vier-hebigen Jambus.

Drama

  • Figurenkonstellation
  • Regieanweisungen
  • Redeanteil (Wer sagt wie viel?)
  • Kulisse/Szenenbeschreibung

Hier findest du noch mehr zur Dramenanalyse.

Belletristik

  • Beschreibungen
  • Innerer Monolog (Gedanken und Gefühle)
  • Erzählstil (Personaler Erzähler, Ich-Erzähler, allwissender Erzähler usw.)

Man entscheidet zwischen vier Erzählstilen: Auktorial (allwissend), neutral, personal und dem ich-Erzähler.

Häufige Stilmittel über verschiedene Textsorten hinweg

  • Metapher
  • Alliteration
  • Synästhesie
  • Und noch andere

Vergleich (Manchmal)

In höheren Jahrgangsstufen kann es dir passieren, dass nach einer Interpretation noch ein Vergleich mit einem anderen Text von dir verlangt wird. Häufig ist ein Gedichtvergleich, aber gelegentlich müssen auch Dramen oder Erzählungen miteinander verglichen werden. Sollte dies der Fall sein musst du dabei je nach Form anders vorgehen.

Wichtig: Natürlich sollten zwei verglichene Texte schon etwas miteinander zu tun haben. Sowas ist aber oft vorgegeben.

Bei Gedichtvergleichen werden dann meistens direkt zwei Gedichte präsentiert, deswegen musst du da einfach nur die Mittel, die du auf das eine Gedicht angewandt hast, auch auf das andere Gedicht anwenden. Zwischen den beiden eine Gemeinsamkeit zu finden, ich dürfte dir wahrscheinlich auch ziemlich leichtfallen.

Bei Dramen- oder Roman- vergleichen kann es sich etwas schwieriger gestalten, da du hier meistens nur einen Text hast, und die dann selber einen Text überlegen mussten, mit dem du ihn vergleichen kannst. Hierbei kann es dir im Voraus helfen, dich entweder mit mehreren Texten aus der gleichen Epoche zu beschäftigen (solltet ihr eine Epoche vorgegeben worden sein) oder aber du  du suchst dir einen Text heraus, der ein gleiches Thema aus einem völlig anderen Standpunkt betrachtet (beispielsweise könnte man eine Liebesgeschichte, mit einem tragischen Liebesdrama vergleichen, oder aber eine Komödie mit einer Tragödie, die sich in manchen Situationen ähneln).

Natürlich erwartet niemand von dir, alle Texte, die jemals geschrieben wurden zu kennen, aber es kann auf keinen Fall schaden, aus jeder Epoche zumindest einen typischen Stellvertreter zu kennen.

Tipp: Es kann nicht schaden, nochmal bisherige Schullektüren durchzugehen. “Klassiker” der deutschen Literatur kommen immer besonders gut, wenn du beim Vergleich die freie Wahl hast.

Schluss einer Interpretation

Für den Schluss hast du mehrere Möglichkeiten was du genau tun willst. Du kannst entweder noch einmal einen Rückblick treffen, du kannst einen Ausblick liefern oder du kannst einen Bogen zurück zur Einleitung schlagen. Einleitung und Schluss sind hierbei wahrscheinlich die kleinsten Teile bei einer Interpretation.

Häufige Fragen zur Interpretation

Was kommt alles in eine Interpretation?

Eine Interpretation besteht aus einer Einleitung, einer Kurzzusammenfassung vom Text, der Interpretation selber, je nach Aufgabenstellung noch einem Vergleich mit einem anderen Text, und dem Schluss.

Wie finde ich eine gute Interpretationshypothese?

Da gibt es nicht wirklich eine pauschal Antwort. Ließ dir den  Text aufmerksam durch und streich dir an, was dir wichtig wirkt. Wenn du den Text noch einer Epoche zuordnen kannst und deren Lieblingsthemen ungefähr im Kopf hast, müsstest du bei einer gut begründbaren Hypothese landen.

Wie begründe ich eine Interpretationshypothese?

Mit einer Kombination aus Stilmitteln, Inhalten und Kontext.

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