Sophokles war ein bedeutender Dichter der griechischen Antike. Zentrale Themen seiner Tragödien sind Schicksal, ethische Konflikte und menschliches Handeln.
In diesem Artikel erfährst du mehr über Sophokles’ Leben und seine Werke.
Außerdem findest du hier die Zusammenfassungen seiner bekanntesten Werke, König Ödipus, Antigone und Elektra.

Sophokles lebte von 497/496 bis 406/405 v. Chr. Er wurde in Athen als Sohn eines Geschäftsmannes geboren. Seine wohlhabende Familie ermöglichte ihm eine gute Bildung.
Sophokles war bereits zu Lebzeiten nicht nur als Dichter und Dramatiker, sondern auch als Politiker bekannt.
Zu Sophokles’ bekanntesten Werken zählen die Tragödien Antigone, König Ödipus und Elektra. Inhaltlich legte der Dichter den Fokus auf das Individuum, die menschliche Psyche und die Frage nach Gerechtigkeit.
Inwiefern veränderte Sophokles die griechische Tragödie?
Die Einführung des dritten Schauspielers ist eine der wichtigsten Neuerungen, die Sophokles vornahm. Vorher handelten nur zwei Schauspieler.
Durch den dritten Schauspieler konnte Sophokles vielschichtigere Beziehungen und Dialoge schreiben.

Anders als bei anderen antiken Dichtern handeln bei Sophokles die Figuren aus eigener Überzeugung und treffen bewusste Entscheidungen. Sie haben einen starken Willen und versuchen, ihrem Schicksal zu entrinnen.
Eine weitere Neuerung von Sophokles ist die tragische Ironie, die er als Stilmittel benutzt. Das Publikum erkennt das Ende des Stücks bereits, während der Hauptcharakter ahnungslos seinen eigenen Untergang herbeiführt.
Sophokles führte außerdem die Bühnenmalerei ein. Er nutzte bemalte Wände, um die Orte in seinen Stücken visuell darzustellen.
Politisches und öffentliches Wirken von Sophokles
Sophokles war auch im Staatsdienst aktiv. Er diente unter anderem als Schatzmeister und als Priester. Außerdem wurde er ins Strategenkollegium gewählt, welches das höchste militärische Organ Athens war.
König Ödipus simpel erklärt
„König Ödipus” ist der erste Teil der thebanischen Trilogie von Sophokles.

Das Drama spielt sich in der Stadt Theben ab, wo eine schwere Seuche ausbricht.
Das Orakel von Delphi verkündet, dass die Seuche nur endet, wenn der Mörder des früheren Königs Laios gefunden und bestraft wird.
König Ödipus beschließt, den Mörder zu finden. Dafür befragt er den blinden Seher Teiresias. Teiresias behauptet, dass Ödipus selbst der Mörder des früheren Königs Laios sei.
Der Seher sagt außerdem, dass der Mörder Ödipus der Gatte seiner eigenen Mutter sei. Ödipus glaubt dem Seher nicht. Er wird wütend und denkt, dass dies eine Intrige von seinem Schwager Kreon ist.

Um Ödipus zu beruhigen, behauptet seine Frau Iokaste, dass die Kunst der Seher wertlos sei.
Als „Beweis“ erzählt sie eine alte Geschichte über ihren verstorbenen Mann Laois: Ein Orakel habe einst prophezeit, König Laios würde durch die Hand des eigenen Sohnes sterben.
Iokaste erklärt, dass das Orakel unrecht hatte. Ihr gemeinsames Kind sei als Baby gestorben, nachdem sie es im Gebirge aussetzen ließen, um der Prophezeiung des Orakels zu entkommen.
Laios sei Jahre später an einer Dreiwegkreuzung von fremden Räubern ermordet worden.
Diese Geschichte beunruhigt Ödipus, weil er früher selbst einen fremden Mann an einer Kreuzung erschlagen hat.

Ein Bote aus Korinth trifft in Theben ein und verkündet, dass König Polybos von Korinth (der Mann, den Ödipus für seinen leiblichen Vater hält) an Altersschwäche gestorben ist.
Diese Nachricht beruhigt Ödipus, da er damals seine Heimat Korinth verließ, weil das Orakel in Delphi ihm vorausgesagt hatte, dass er seinen Vater ermorden und seine Mutter heiraten würde.
Um dieser Prophezeiung zu entkommen, war er aus Korinth geflüchtet. Da sein Vater aber eines natürlichen Todes gestorben ist, kann Ödipus ihn nicht umgebracht haben.
Das Volk in Korinth möchte, dass Ödipus der neue König von Korinth wird. Allerdings weigert sich Ödipus, nach Korinth zurückzukehren, weil er Angst vor dem zweiten Teil des Orakels hat: Er fürchtet, seine leibliche Mutter Merope zu heiraten, wenn er die Stadt betritt.
Um Ödipus zu beruhigen, enthüllt der Bote, dass Ödipus nicht das leibliche Kind von Polybos und Merope ist. Ödipus war damals ein Findelkind gewesen.
Der Bote selbst hatte Ödipus als Säugling im Gebirge von einem thebanischen Hirten entgegengenommen und an König Polybos übergeben. Er kann seine Mutter also nicht heiraten, will Merope gar nicht seine leibliche Mutter ist.
Der thebanische Hirte wird zur Rede gestellt und gesteht, dass es sich bei dem Findelkind um das ausgesetzte Kind des Königspaares Laios und Iokaste handelte.
Er hatte damals von Iokaste den Befehl erhalten, das Neugeborene im Kithairon-Gebirge auszusetzen, brachte es aber nicht über das Herz, das Baby sterben zu lassen und übergab es dem korinthischen Boten.
Der Hirte ist genau derselbe Mann, der Jahre später als einziger den Überfall an der Dreiwegkreuzung überlebte, bei dem Ödipus König Laios erschlug.
Der Hirte kehrte nach dem Mord nach Theben zurück.

Dort sah er, dass ausgerechnet der Mörder von Laios neuer König geworden war und Iokaste geheiratet hatte.
Somit erkannte der Hirte die Wahrheit: Ödipus war das Kind von Laios und Iokaste, welches er Jahre zuvor als Baby an den Boten übergeben hatte.
Die Prophezeiung hat sich voll erfüllt: Ödipus hat seinen leiblichen Vater getötet und seine Mutter geheiratet.
Iokaste begeht aus Verzweiflung Selbstmord.
Ödipus sticht sich beide Augen aus.
Er fordert seine eigene Verbannung aus Theben, um die Prophezeiung des Orakels zu erfüllen und die Stadt von der Pest zu befreien. Somit geht Ödipus als blinder und ausgestoßener Mann ins Exil.
Antigone verständlich zusammengefasst

Eteokles und Polyneikes haben sich im Kampf um die Herrschaft über Theben gegenseitig getötet.
Der neue Herrscher Kreon verbietet die Bestattung von Polyneikes, weil dieser als Verräter gilt.
Eteokles hingegen wird ehrenvoll begraben.
Das Stück beginnt damit, dass Antigone sich dem Verbot widersetzt und ihren Bruder Polyneikes aus familiärer Pflicht und Gottesfurcht begräbt.
Dabei wird sie jedoch erwischt und von Kreon zum Tod verurteilt. Sie soll lebendig in einer Grabkammer eingesperrt werden.
Kreons Sohn (und Antigones Verlobter) Haimon und der Seher Teiresias warnen den König vor dem Zorn der Götter. Aber Kreon lässt sich von seiner Entscheidung nicht abbringen.
Die Götter sind zutiefst erzürnt, weil Polyneikes’ Leiche verrottet und Antigone bestraft wurde.
Teiresias prophezeit Kreon, dass er bald mit dem Tod seines eigenen Sohnes für diese Sünden bezahlen muss.
Von der Prophezeiung zutiefst verängstigt, bricht Kreons harter Widerstand.

Er beschließt, seine Befehle sofort rückgängig zu machen. Kreon eilt los, um Polyneikes zu begraben und Antigone aus der Grabkammer zu befreien.
Doch Kreon kommt zu spät. Als er die Höhle öffnet, hat sich Antigone bereits mit den Fäden ihres Schleiers erhängt.
Kreons Sohn Haimon, der mit Antigone verlobt war, kniet weinend vor ihrer Leiche.

Als Haimon seinen Vater sieht, zieht er sein Schwert und greift Kreon an, verfehlt ihn aber.
Verzweifelt stürzt sich Haimon daraufhin in sein eigenes Schwert und stirbt neben Antigone.
Kreon kehrt mit der Leiche seines Sohnes im Arm zum Palast zurück.
Dort erwartet ihn die nächste Katastrophe: Seine Ehefrau Eurydike hat vom Tod ihres Sohnes erfahren und sich vor Trauer ebenfalls das Leben genommen.
Das Drama endet mit einem gebrochenen Kreon, der alles verloren hat.
Elektra: einfache Zusammenfassung
Im Drama lebt Elektra am Hof in Mykene. Sie wartet auf ihren verschollenen Bruder Orestes und möchte, dass dieser ihren toten Vater Agamemnon rächt.
Elektra verbringt den Großteil ihrer Zeit auf dem Hof damit, laut um ihren Vater zu trauern.
Da Elektra sich weigert, den Mord an ihrem Vater zu vergessen, wird sie gedemütigt und wie eine Gefangene behandelt.
Klytaimestra und Aigisthos beschimpfen Elektra unablässig als ungezogen und undankbar.
Nach dem Mord an Agamemnon schwebte auch der junge Orestes in Lebensgefahr, da der neue Machthaber Aigisthos den rechtmäßigen Thronfolger töten wollte. Daher war Orestes viele Jahre weg.
Als erwachsener Mann beschließt Orestes, nach Mykene zurückzukehren. Bevor er nach Mykene aufbricht, befragt er das Orakel von Apollon in Delphi. Der Gott erteilt ihm den ausdrücklichen Befehl zur Rache.
Orestes tarnt sich und seinen Freund Pylades als Boten aus Phokis und täuscht seinen eigenen Tod vor.
Er bringt eine Urne zum Palast und behauptet, darin befinde sich die Asche des bei einem Wagenrennen tödlich verunglückten Orestes.
Klyteimestra ist erleichtert über die Nachricht, da ihr potenzieller Rächer tot zu sein scheint.
Orestes verrät Elektra seine wahre Identität und beginnt seine Rache. Er tötet seine Mutter mit einem Schwert. Elektra steht währenddessen vor dem Palasttor, um Wache zu halten.
Als Aigisthos den Palast betritt, hört er die Nachricht, dass Orestes tot sei. Er sieht eine mit einem Tuch verhüllte Leiche und hält diese für Orestes.
Als er das Tuch jedoch wegschlägt, sieht er, dass es seine tote Geliebte Klyteimestra ist.

Orestes enthüllt seine wahre Identität. Aigisthos versucht noch zu verhandeln, doch Orestes tötet auch ihn.
Am Ende des Dramas feiert der Chor die Befreiung des Königshauses von Mykene aus den Tyranneien.
Bonus: Berühmte Zitate von Sophokles
Zum Schluss haben wir eine Liste von berühmten Zitaten von Sophokles zusammengestellt:
„Viel reden und viel sagen ist nicht eins.”
„Auch für den Klugen ist doch keine Schande, statt sich zu übernehmen, viel zu lernen.“
„Wer schnell entschlossen ist, der strauchelt leicht.“
„Es ist ein schlimmes Schicksal, wissend zu sein, wo unser Wissen keinen Dank gewinnt.“
„Den Gedanken hege nicht allein in dir, daß deine Meinung, keine sonst, die rechte sei.“
„Es ist besser, in Ehren zu versagen, als durch Betrug erfolgreich zu sein.“
„Der Himmel hilft niemals denen, die nicht handeln wollen.“


